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Rhabarbersirup

Auch schon wieder ein paar Tage her, aber man kommt ja zu nix! Ich habe Rhabarbersirup gekocht! Und das nach einer rhabarbertraumatischen Kindheit, in der haufenweise vorgeschnippselter, tiefgekĂŒhlter Rhabarber vorkam - vielversprechend verpackt in Vanilleeis-Boxen. Ein bisschen zu vielversprechend fĂŒr uns Kinder. Bei meinem Bruder hĂ€lt das EnttĂ€uschungstrauma immer noch an, doch sind seither ein paar JĂ€hrchen ins Land gegangen, die ich zur seelischen Verarbeitung nutzte, und dann kredenzte man uns unlĂ€ngst beim Bandbier im aQuadrat "Pink Tonic" - Gin Tonic mit Rhabarbersirup. Das erschien uns vernĂŒnftig, da ĂŒberaus wohlschmeckend (und obendrein gratis, da wir durch Teilung (nicht Zell-, sondern Beitrags-) Facebookwerbung fĂŒrs aQuadrat betrieben hatten). Der Sirup sei schwer zu kriegen, meinte der Barkeeper, der das Zeug eigens aus DE importiert. Pah, dachte ich da.

Meine Mama sorgte fĂŒr den Rohstoff. Manche Dinge Ă€ndern sich eben nie. Rhabarber wĂ€chst eben dort, wo er wĂ€chst - in diesem Fall bei meiner Mutter im GemĂŒsegarten bzw bei Trimmel in Gerasdorf.

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Mein Sirup wurde aus einzeln handgeschnippselten Rhabarberstengeln hergestellt. Das SchnippselgefĂŒhl bei Rhabarber kann man nĂ€mlich getrost als einzigartig bezeichnen - wer wird da drei oder gar noch mehr Stengel auf einmal schneiden? Dann ist ja der ganze Spaß amputiert! Rapf-rapf! Schön einen nach dem anderen. (Die sind auch zu schön, um sie mit Ă€ zu schreiben, daher bleib ich bei der alten Variante.)

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29 Flaschen Ă  187ml warteten auf ihre FĂŒtterung. Ja, das ist in zweierlei Hinsicht ein merkwĂŒrdiges Maß. Die 187 waren ein gutes Mittelding, um möglichst viele, aber doch nicht allzu mengenmĂ€ĂŸig-popelige Kostproben verschenken zu können. Die 29 nicht, weil ich so schrecklich unkonventionell bin, sondern schlicht deshalb, weil eine Flasche den Transport via Paketdienst nicht ĂŒberlebt hatte.

Eigentlich wollte ich das hier schreiben, damit ich auch noch beim nĂ€chsten Mal weiß, wieviel Zucker ich dann tatsĂ€chlich genommen habe, ich hatte dazu 15 verschiedene Rezepte gelesen und danach einige Zeit mit dem Versuch verbracht, mich mit mir selbst auf ein möglichst niedriges, aber haltbarkeitsmĂ€ĂŸig sinnvolles Maß Zucker zu einigen. Doch ich habe mir keine Notizen gemacht, bzw wurden diese ein Raub der klebrigen Substanz, und in letzter Zeit ist das bei mir eine fatale Verfehlung (keine Notizen zu machen, nicht mich von klebrigen Substanzen berauben zu lassen).

Aber insgesamt kamen etwa 4,5 kg FrĂŒchte zusammen. Man kocht den geschnittenen Rhabarber mit etwas Wasser auf (so viel, dass er halbwegs bedeckt ist) und lĂ€sst ihn 5-10 Minuten kochen - er wird sehr schnell sehr weich. Dann seiht man den Matsch durch ein feines Sieb, fĂ€ngt den Saft auf und kocht diesen mit Zucker und Zitronensaft oder -sĂ€ure nochmal auf, bis der ganze Zucker sich gelöst hat. Wenn man viel Rhabarber hat, macht man das in Ermangelung mehrerer großer Kochtöpfe eben in drei oder vier DurchgĂ€ngen.

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Ich habe auch noch echte Vanille aus der Schote zum Saft getan, was dazu fĂŒhrte, dass die VanillekĂŒgelchen sich voller Angst zu grĂ¶ĂŸeren KĂŒgelchen zusammenrotteten, und ich diese einzeln rausfischen und wieder voneinander trennen musste, damit es nicht so aussieht, als schwĂ€mmen da Erdbrocken in meinem Sirup. Mach ich so nicht mehr.

Es dĂŒrften etwa 5,5l Saft gewesen sein, die ich mit etwa 3,5 kg Zucker vermengte. Einen kleinen Teil hab ich mit Traubenzucker eingekocht, weil der von FructoseunvertrĂ€glichkeitszeitgenossen angeblich besser vertragen wird als normaler weißer oder brauner Zucker. Beim Rest habe ich weißen Zucker und Rohrzucker vermischt, dadurch wird die Farbe etwas krĂ€ftiger.

Endlich durfte der Sirup in seine Flaschen.

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Bis alles an Ort und Stelle war, dauerte es ein Weilchen. Trichter, Schöpfer, und das möglichst ohne klebrige Spuren auf den Flaschen zu hinterlassen, also immer schön easy, easy.

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Schließlich wurden die Flaschen noch mit SchrumpfhĂŒllen versehen, das ging im Akkord mit dem mir rechtmĂ€ĂŸig Zugemuteten und seinen widerstandsfĂ€higen ChemikerhĂ€nden wie am SchnĂŒrchen. Mein Label musste auch noch drauf. Ich hab das noch gar nicht erzĂ€hlt, oder? Ich hab jetzt ein Label, eigentlich fĂŒr meine genĂ€hten Kreationen. Gar nicht so einfach, hier up-to-date zu beiben mit allem, was ich in letzter Zeit so an Neuem erschaffe!

Das Endergebnis sah jedenfalls so aus (man stelle sich dies genau 29 Mal vor).

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Insgesamter Zeitaufwand: Ein ganzer Vormittag.

Den Rhabarbermatsch braucht man nicht wegzuwerfen, zumindest nicht alles, man kann ihn 2:1 mit pĂŒrierten Erdbeeren mischen und mit Gelierzucker kurz aufkochen, das ergibt eine wunderbar flauschige Marmelade. In der sich die Vanille aus der Schote ĂŒbrigens sehr gut macht!

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4 Kommentare »

  1. Comment by rudolfottokar — 15. Juni 2012 @ 13:42
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    witzig - rhabarber scheint (egal welche generation man ist) immer fĂŒr kindheitsprĂ€gungen gut zu sein. ich hab ihn als kind geliebt - in kompottform. meine damalige wortschöpfung dafĂŒr war "stricherlkompott". (weil sich durchs kochen viele der rhabarberstĂŒckerln in ihre einzelnen fasern zerlegt haben). muss ich direkt wieder einmal machen....

  2. Comment by Etosha — 20. Juni 2012 @ 08:26
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    "Stricherlkompott" find ich sĂŒĂŸ! Und was gibts dazu? Oder wird das pur verschlungen?

  3. Comment by rudolfottokar — 20. Juni 2012 @ 12:18
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    ich glaub zu palatschinken oder kaierschmarrn...
    aber natĂŒrlich auch einfach so.

  4. Comment by Ceh — 20. Juni 2012 @ 13:38
    Gravatar

    Tststs, bei mir hast Rhabarber-mĂ€ĂŸig in der Kindheit aber ausgelassen, lieber Vater. Ich hab keine Rhabarber-Erinnerungen ]:(.

    Aber wurscht - dafĂŒr hab ich jetzt ein Flascherl von diesem Sirup. Der ĂŒbrigens ausgezeichnet auf ein MĂŒesli mit Joghurt passt. Vielen Dank nochmal! ]:)

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