Etosha auf Probefahrt: Volvo C30

Heute hatte ich die Ehre, einen Volvo C30 durch allerlei Kurven zu werfen. Und das kam so:
Ich ließ letzten Mittwoch die Scheibenwaschanlage meines Peugeot bei der Firma Baumgartner in Himberg reparieren, die auch Volvopartner ist. Wir kamen ins Plaudern, und der Kundendienstleiter konstatierte: „Sie brauchen einen C30. Das seh ich Ihnen an!“ Ich gab zu, dass ich seit einigen Wochen um dieses Auto herumschleiche, wann immer es mir in seiner ausgestellten Form begegnet. Doch die Servicepreise seien auch ein Faktor. Wie die denn im Vergleich so lägen. „Wah!“, grantelte er da, „Wenn ich die Leut‘ über die bösen Volvo-Servicepreise reden hör, zum Beispiel beim Wirten, dann muss ich ihnen immer sagen: Na, du bist a Trottl und hast ka Ahnung, des merkt ma glei!“ Solcherart durch schlagende Argumentation überzeugt, merkte ich an, dass eine gute Probefahrt allerdings mindestens einen ganzen Tag dauern müsse, damit man daraus etwas zu lernen vermag. Bei Viertelstundenprobefahrten lernt man nichts, nach so kurzer Zeit hab ich ja noch nichtmal einen warmen Hintern, geschweige denn weiß ich danach, ob ich in dem Auto richtig gut sitze, und ob es mir womöglich mit mannigfachem Warngepiepe allzu laut in den Ohren liegt oder mich sonstwie effektiv nervt. All das setzte ich dem Mann auseinander. Das sei alles kein Problem, meinte er, und trug mich für heute 7-16h für einen Vorführwagen ein.

Meines Schwiegervaters Gehörgang empfing und kreierte gestern bei Erwähnung des „Volvocehdreißig“ das Wort „Wollwuzi“, womit das Auto auch schon einen Namen hätte.
(Ein solches „Wollwuzi“ wäre nach meiner Sprachempfindung dem sehr ähnlich, was man gelegentlich in seinem Bauchnabel findet.)

Das Modell war ein dunkelgrauer C30-D2 (115PS Diesel) mit vielerlei Ausstattung wie Bordcomputer, Multifunktionslenkrad, Sitzheizung, Tempomat, elektrisch verstellbaren Außenspiegeln und elektrischen Fensterhebern. Ich hatte nicht die Zeit, die Bordcomputer-Funktionen eingehend zu studieren, weil ich diverse geschäftliche Termine wahrzunehmen hatte, daher kann ich über meinen Spritverbrauch leider nur spekulieren. (Und das sieht so aus: Ich verbrauchte Diesel. Haha. Cirka 8 Liter für etwa 140 km.)

Es sitzt sich gut da drin. Soviel war mir schon vorher bekannt. Die Sitzweite lässt sich natürlich verstellen, auch die Sitzhöhe kann man anpassen, und zwar beinahe so lange, bis man mit dem Kopf den Himmel erreicht. Den Fahrzeughimmel, nicht den blauen, luftigen weiter oben. Aber auch das ist für einen Zwuck* wie mich schon sehr angenehm. Die Lendenwirbelsäule erfährt auch eine gewisse Unterstützung; der dazu zu betätigende Drehknopf ist allerdings an einer Stelle angebracht, die ich nur unter Mühe erreichen konnte (rechte Außenkante des Sitzes), sodass für mich schwer zu erspüren war, was genau sich beim Knöpfchendrehen verändert, weil ich meinen Rücken zu diesem Behufe von der Lehne wegdrehen musste.
* Der Zwuck: liebevoll oder neckend, aber nur selten beleidigend: Mensch, der klein von Gestalt ist

Starten lässt sich das Wollwuzi mit betätigter Kupplung und einem recht stattlichen Plastikschlüssel, den man nicht seitlich an der Lenksäule einsteckt, sondern weiter oben in der Armatur. Das ist gewöhnungsbedürftig, dauernd fummelt man an der Lenksäule rum und findet dort einfach kein Loch. Nebenbei: Der Schlüssel ist nicht einklappbar und beansprucht in der Jackentasche doch recht viel Raum.

Nach dem Starten bekommt man durchgehend ein irgendwie charmantes Diesel-Klingeln zu hören, kein Nageln, ein Klingeln. Das Gas spricht erst nach kurzer Verzögerung an, was mich vor allem beim Anfahren und in den unteren Gängen beharrlich irritierte. Beinahe erwartete ich ein Pop-Up-Fenster, das mich fragt: „Sind Sie sicher, dass Sie jetzt beschleunigen möchten? Möchten Sie einen Freund anrufen?“ Wenn der Motor aber erstmal anspricht, präsentiert er auch recht guten Durchzug, wobei die unteren Tourenbereiche etwas schwächlicher auf der Brust sind, als ich das von meinem Peugeot gewöhnt bin (der nur 90 PS hat). Auch läuft der Motor in den unteren Gängen (1-3) in gewisser Weise „instabil“, will sagen, es fiel mir recht schwer, eine sanft-konstante Beschleunigung ohne Ruckeln zusammenzukriegen, was sich auch nach einiger Eingewöhnung nicht ganz legte.

In den oberen Gängen allerdings (4-6) ist so große Flexibilität vorhanden, wie man das von einem Diesel erwartet. Die Windgeräusche über die Rückspiegel sind dabei hartnäckig, rechts außen begann es ab Tempo 140 gar zu pfeifen, was mich innerhalb kürzerer Zeit eventuell in den Wahnsinn, zumindest aber zurück zum Händler treiben würde.

Auch mit offenem Fenster fährt es sich mehr schlecht als recht, die Luft schlägt einem laut um die Öhrchen, erst bei 3/4 geschlossenem Fenster hört das Schlagen auf. Im Sommer ist also wohl eher Klimaanlage angesagt als Frischluft.

Der am Lenkrad beknöpfte Tempomat muss mit einem Druck auf „Cruise“ erst eingeschaltet werden und kann dann mit einem Druck auf die Taste „+“ fixiert werden. Ein Druck auf die Taste „+“, ohne seit dem Starten irgendwann einmal „Cruise“ betätigt zu haben, führt ergo zu keinerlei nennenswertem Ergebnis außer einem verdutzten Gesicht angesichts dieser ausgeprägten Geschehnislosigkeit auf Knopfdruck. Auch daran muss man sich erst gewöhnen (den Druck auf Cruise, nicht das Gesicht) – und das dauert länger als einen Tag. Ein tieferer Sinn dieser Kompliziertheit erschließt sich mir nicht auf Anhieb.
Für den Tempomat gibt es auch eine „Wiederherstellen“-Taste (zuletzt fixiertes Tempo erneut wählen), und ebenso ein Hinauf- und Hinunterregeln des bereits eingestellten Tempos, was ich alles überaus kommod fand.

Die Straßenlage empfand ich insbesondere bei höherem Tempo als sicher und gut, geradezu wie auf Schienen, dafür wurde aber meine beherzte Beschleunigung im zweiten Gang voller Elan in die Ausfahrt eines Kreisverkehrs durch ein Schieben über die Vorderachse jäh beendet. Man kann also die Kraft unterm Hintern nicht unbegrenzt zu sportlichen Zwecken verwerten. Ich war den ganzen Tag recht flott unterwegs, und das hat mir in seiner Gesamtheit betrachtet definitiv Spaß gemacht.

Was meine persönliche Freude jedoch wiederum trübte: Die Federung ist eher hart, man spürt Unebenheiten, Kanaldeckel und ähnliche Widrigkeiten sehr deutlich. Mir wurde über dieses Auto etwas anderes erzählt, doch mein nächstes Fahrzeug soll keinesfalls ein Präzisionsbodenbeschaffenheitsabtastgerät sein. Wie die meisten von euch wissen, bin ich mit chronischen Gelenksentzündungen geschlagen, und das ist mir Bodenabtastung genug.

Sensationell ist der Sound über die eingebauten Boxen. Das ist richtige Musik, die da rauskommt! Auch der Aux-Eingang funktioniert anstandslos, man muss dessen Wiedergabe aber manuell anwählen. Die generelle Input-Lautstärke über Aux lässt sich in den Radioeinstellungen nach oben und unten regulieren.

Im Innenraum fand ich mich generell gut zurecht. Das Display ist gut ablesbar und gibt brauchbare und verständliche Hinweise. Die Bedienung der Elektronik über die Konsole ist intuitiv und simpel – wenn man hinschauen kann. Während der Fahrt ist die Bedienung nur eingeschränkt ohne Hinsehen möglich. Der gesamte obere Block der Bedieneinheit geht für das Display und die Zahlenknöpfe drauf. Die verschiedenen Bedientasten für die Heizung (Fußraum/Mitte/oben, etc) sind ziemlich weit unten und beim reinen Ertastenwollen von ihrer Umgebung leider nicht zu unterscheiden, und daher haben sie meiner Meinung nach auch keine Chance auf „Gewöhnungssache“.

Die übrigen Knöpfe (Heckscheibenheizung, Sitzheizung, etc) haben wenigstens eine leichte Ausbeulung, anhand derer man sich zumindest ihrer prinzipiellen Anwesenheit auch blind versichern kann, wenn sich daraus auch noch nicht deren Funktion erschließt. Bei der Ertastung der drei großen Drehknöpfe für Tuning, Temperaturregelung und Gebläse hingegen gewinnt sogar ein Blinder alle drei Punkte, ebenso beim großen Dreh- und Drückschalter für Lautstärke und Ausschalten der Musik. Am Lenkrad gibt es Lautstärkesteuerung und Vorwärts/Rückwärts für Radio und Musik; eine Mute-Taste gibt es am Lenkrad nicht. Fensterheber und Außenspiegeleinstellung sind an der Tür angebracht. Letztere ist ein bisschen eine Friemelei, aber hier bin ich bereit, „Gewöhnungssache“ zuzugestehen.

Während man in etwas älteren Autos mit etwas Mühe und Schlichttalent noch Zimmer/Küche/Kabinett unterbringt, ist im Innenraum des Wollwuzis nur noch recht wenig Platz für Zeugs: Ein Handschuhfach, das seinem Namen buchstäblich gerecht wird – ein paar Handschuhe und eine Betriebsanleitung kriegt man rein; in der Mittelkonsole zwei schließbare Ablagen; in einem sind zwei Getränkehalter, im anderen fand ich leere Finsternis, auf deren Boden sich Aux- und USB-Eingang befinden. In den Türen gibt es natürlich jeweils ein Fach, und ein recht bescheidenes Ablagefach hinter der Elektronikkonsole in der Mitte. Ja, diese Konsole ist ein Stück in den Innenraum versetzt, Richtung Heck quasi, und dahinter kann man durchgucken. Das ist seltsam. Mein Staubsauger kommt dort sicher nicht rein. Eine Hand auch nicht so gut, wenn man wie ich den Sitz recht weit vorne hat.
Wo genau ich in diesem Auto nun Stadtplan, Taschenmesser, -lampe und -tücher, Kaugummi, Zigaretten, Feuerzeug, Garagentoröffner, Lippenbalsam, Modul-Schlüsselbünde und Sonnenbrille unterbringen würde, ist mir noch nicht ganz klar. 12V-Ladegerät für Akkus, Maßband, Traubenzucker, Essbesteck, Kompass und fünf Ersatzsonnenbrillen könnte man auch mal weglassen und würde sie vermutlich nicht allzu oft vermissen. Das Raumangebot wäre aber okayer, wenn man ein paar Moppe montieren würde.

Die Kofferraumtür ist durchgehend aus Glas („Schneewittchensarg„). Die Rücksitze lassen sich nach vorne klappen und tragen so zu einer ebenen Ladefläche bei, deren Ladekante allerdings recht hoch liegt, etwa 30cm über jener meines Peugeot 206 SW. Mein kleiner Hund könnte dort ohne Leiter nicht einsteigen. Der muss durch die Seitentür, derer es zwei gibt, und hinauf auf den umgelegten Sitz, auch das ist sicher eine kleine Herausforderung.

Mein Fazit:
Ein bequemes Auto mit großem Spaßfaktor, guter Rundumsicht, großer Ladefläche und leiwandem Sound; aber es ist definitiv zu rumpelig für meine künftige Wunscherfüllung.

Fazit 2:

Volvo&Peugeot Baumgartner Himberg erntet ein großes Lob! Sowohl der Kundendienstleiter als auch der Chef selbst sind umgängliche, freundliche und sympathische Menschen, die auch den Kunden Mensch sein lassen – und einem in der Winterzeit eine schnelle Kontrolle und Reparatur einer Kleinigkeit problemlos ermöglichen (bei mir: innerhalb von einer Stunde vom Anruf zur Erledigung). Man bekommt auch nicht überall einen Vorführwagen einen ganzen Tag lang. Und selbst auf meine Kritikpunkte zum C30 heute reagierte der Chef wie ein ganzer Mann – keine Ausflüchte oder seltsame Reaktionen, sondern ehrliches Interesse. Für Peugeot- und Volvo-Anliegen aller Art also von mir eine wärmste Empfehlung!

Inhaltsverzeichnis Probefahren

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Sage nochmal einer, Frauen könnten nicht vernünftig über Autos schreiben. Meld Dich bei der ZEIT, die haben keine einzige dort, die das kann, obwohl einige gerade das vorgeben.

    P.S.: 8L für einen Diesel???

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  2. in Anbetracht deines beleidigten Rückens müsste eine hydropneumatische Federung her (Citroen C5?), natürlich tut es auch die Klasse eines S oder ein RR… ;-)

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  3. Die neuen Citroen sind extrem verbaut. Sowas kommt mir nicht ins Haus. Vors Haus. Wie auch immer. ;) Die haben Türen, die nicht zu den Scheiben passen. Wo gibts denn sowas?
    Nicht mein Rücken ist beleidigt, sondern mein Brustbein. Der Rücken ist nur ganz normal verspannt.

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