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Rutscht gut rüber!

Ihr lieben Leser beiderlei Geschlechts da draußen,
ich wünsche euch allen einen prächtigen Start ins neue Jahr und hoffe für euch, es wird all das bringen, was ihr euch wünscht. Meine lieben Freunde, die ihr sonst immer mit mir Silvester feiert – ihr werdet mir wahnsinnig fehlen. Silvester ist für mich wie ihr wisst der wichtigste Feiertag im Jahr, und ich hoffe, ich bringe euch mit dem Schluckauf, den ich euch verpassen werde, nicht aus der Fassung. Er wird so um 16 Uhr eurer Zeit auftreten. ;)

Danke fürs Dabeisein, Kommentieren und Mitfühlen in diesem Jahr, und besonders in den letzten beiden Monaten! Viel Spaß, was immer ihr plant, wir sehen uns 2014!

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FAQ, Q&A oder F&A – Fragen halt! Und Antworten!

Es haben mich im Lauf der Zeit eine Menge Fragen erreicht, die ich jetzt ausführlichst beantwortet habe. Ich stelle sie hier alle in einem Eintrag online. Es ist recht viel, aber teilt es euch ruhig ein. Ich könnte es auch anders machen und jede Frage in einen eigenen Eintrag stellen, aber dann begänne jemand, der hier reinstolpert und von oben zu lesen beginnt, mit der letzten Frage – was meinen ganzen schönen Bogen an wahnsinnig lustigen Running Gags zunichte machen würde.

Dein Hund geht mit auf große Fahrt, oder?

Nein, Cindy musste leider daheimbleiben und wird von meiner Mama gehütet. Nichtmal in ihren jüngeren Jahren hab ich ihr Flugreisen zugemutet, meist aber auch deshalb, weil diese Reisen relativ kurz waren, womit sich dieser Stress für sie und für uns nicht gelohnt hätte.

Im vergangenen Jahr ging es ihr auch nicht so gut, so im März gings los. Sie trinkt und frisst viel zu viel, ist aufgebläht, hechelt wie wild, ist matt, bettelt wie irr, und sie sabbert sogar dabei, was früher nie der Fall war. An manchen Tagen konnte sie gar nicht aufstehen, an anderen kehrte sie nach 50 Metern Spaziergang um und kroch in Zeitlupe und im Passgang nach Hause zurück. Einmal wollte sie sogar nichtmal mit mir im Auto mitfahren, sondern lieber daheim bleiben – mein Unterwegs-Hund! Total ungewöhnlich. Morbus Cushing war der Verdacht, wurde dann aber irgendwie auch wieder ausgeschlossen, ohne wesentliche Verbesserung außer der tagesabhängigen (und natürlich ohne Kostenschonung für die Tests).

Sie ist jetzt am 3. Dezember 13 Jahre alt geworden, natürlich findet da jeder, „Tja, die wird eben alt, isso“. Sicher, aber es ist ein kleiner Hund, da hätte ich mir einfach ein paar Jährchen mehr erhofft, und das Tempo der Veränderung war mir nicht geheuer, genausowenig wie die merkwürdige Art und Weise. Zusätzlich entwickelte sie dann noch ein großes Geschwür an der Milchleiste, direkt neben einem Lymphknoten, und dieser ist ebenfalls geschwollen. Viel Hoffnung macht man sich da nicht mehr, und es wird auch in diesem Alter keine Behandlung oder OP mehr empfohlen – gleichzeitig erscheint es mir so absurd, dabei zuzusehen und einfach nichts zu unternehmen.

Fazit: Meine wunderbar kluge und so zuckersüße Frau Hund ist zu alt und in zu schlechtem Zustand, um auf große Fahrt zu gehen, und es wäre ihr hier auch viel zu heiß. Dann noch all die streunenden Hunde hier und die unvorhersehbaren Tagesaktivitäten – ich wüsste gar nicht, wie das wäre, entspannt jedenfalls sicher nicht. Aber sie fehlt mir. Sehr, sehr. Nicht, dass ich meine Freunde, meine Familie nicht vermissen würde. Aber mein Hund ist sonst immer und überall mit, und wer mich kennt, der weiß – da wedelt immer dieses schwarze, lockige Pelzding an meiner Seite, ohne Hund gibt es mich gar nicht. Sie ist körperlich und seelisch meine Erweiterung, mein Anhängsel, gefühlsmäßig (seltsamerweise) an meiner rechten Körperseite. Entsprechend schwer fällt es mir, mich an das kalte, leere Gefühl dort zu gewöhnen. Oder mich von der Befürchtung zu befreien, dass sie Anfang März, wenn wir zurückkommen, schon nicht mehr da sein könnte.

Wie war die palauische Buenanoche?

Unser Weihnachtstag war in religiöser Hinsicht so unspektakulär, wie es die daheim immer sind. Martin und ich sind ja nicht sonderlich religionsaffin, und die einzige Tradition, die sich für den Weihnachtstag selbst je ergeben hat, ist dass ich was echt Gutes koche, während ich gelegentlich darüber meckere, dass er sich irgendwo verkriecht, statt mir beim Kochen Gesellschaft zu leisten. Die nächsten Tage verbringen wir dann bei der Family.

Am 24.12. untertags waren wir im Norden von Babeldaob unterwegs und sahen uns die dortigen Monolithen und die prächtige Aussicht an, unterbrochen von heftigen Regenschauern, die das ganze Meer wiederholt im Wolkenmeer verschwinden ließen.

Von dort stammte auch dieses Weihnachtsfoto, das ich per Mail und auf den angeblichsozialen Medien verbreitete, und das bei euch offenbar ebenfalls einige Fragen aufwarf, die ich im weiteren auch brav beantworten werde.

Anschließend waren wir an einem eigenwilligen Strand mit breiter Sandbank vor dem Außenriff, sahen dort das Wochenendhaus des Präsidenten, außerdem fünfzig Zentimeter tiefes Wasser, in dem man kaum gegen die Strömung anschwimmen konnte, und eine Qualle mit blauen Tentakeln, die angeblich bös weh tut, wenn man ihr zu nahe kommt.

Abends gab es Hühnerschnitzel. Die Brösel für die Panier rieb ich per Hand auf der Küchenreibe aus getoastetem Weißbrot, weil man Brot hier bei der Luftfeuchtigkeit nicht einfach trocknen kann – man kann es an der Luft nur schimmeln lassen. Zum Schnitzel gab es Petersilkartoffeln, junge Erbsenschoten und Salat, außerdem stand der Adventskalender meiner Freundin N mit 24 geöffneten Türchen auf dem Tisch, sowie eine Kerze in korrekt entzündetem Zustand. Wir fanden, damit war der Ankunft unseres Herrn Genüge getan. Es war chillig und hätte Ihm sicher auch gefallen.

Im Institut fand einige Tage zuvor eine Weihnachtsfeier statt. Da wurde zu sehr lauter palauanischer Schlagermusik und sehr großem Moskitoaufkommen sehr viel getanzt (ja, auch ich musste einmal – frau wird geholt, zu Kollege Arius sagt man nicht nein). Palauanische Schlagermusik ist wie deutsche oder österreichische. Sie besteht im Wesentlichen aus zwei oder drei Akkorden, zu denen mit höchst entschlossener Stimme der Akkordvielfalt entsprechend abwechslungsreiche Melodien gesungen werden, und das klingt in etwa so exotisch wie Radio Burgenland. Es gab ein Buffet, jedoch keinen Nachtisch und keine Kekse. Aber genügend Merlot.

Ach, und der Bericht über diese Betelnuß war auch sehr aufschlußreich. Nun noch bitte paar Testergebnisse, wie schmeckt sone Nuß eigentlich? Dreht das in der Birne? Kriegt man davon Hunger? Ein Teil 2 ist eigentlich unvermeidlich.

Wie ich bereits schrieb – mein Probierdrang dahingehend hält sich in engen Grenzen. Man erzählt sich wie gesagt, es sei ein wenig anregend, wie Kaffee und Zigarette. Vielleicht überlege ich es mir ja aber noch anders, wer weiß? Noch ist nicht aller Palautage Abend. Um „nie“ zu sagen, bin ich schon zu alt und weise.

Du beschreibst das so entspannt. Wie is das Gefühl, wie wirkt Palau auf euch?

Entschleunigt. Die Geduldsmuskulatur wird trotzdem trainiert. Es ist wunderschön, und es nervt mich maßlos – immer abwechselnd.

Die Leute sind sehr sozial und offen und gesprächig, das kommt mir sehr entgegen und hat mich sicher noch offener werden lassen. Man spricht Menschen doch lieber an, wenn man im Vorhinein weiß, dass die Reaktion aller Wahrscheinlichkeit nach sehr positiv ausfallen wird. Ich rede ja sowieso jeden an, auch daheim, ich pfeif mir für gewöhnlich nix, und hier kommt das gut an, wogegen ich daheim oft seltsame Reaktion ernte – oder gar keine.

Martin ist generell der etwas weniger Soziale von uns beiden, wenn man so will. Auch daheim in unserem Lande bin ich diejenige, die mit der Kassierin plaudert oder jemand Fremden anblödelt. (Aber natürlich hab auch ich Tage, an denen ich mit keinem reden möchte, ja, nichtmal irgendwo anrufen will.) Einen Fremden nach dem Weg zu fragen, das möchte Martin lieber nicht, dabei ist das hier wirklich super-easy, und alle helfen gern und liefern häufig auch noch zusätzliche Informationen. Sprachbarriere gibts auch keine, weil wirklich alle Englisch sprechen. Oft ist es nichtmal nötig, die Menschen anzusprechen, weil sie sich von allein heranpirschen und fragen, ob man was Bestimmtes sucht, ob sie helfen können, ob man ein Bier möchte, und von sich aus gerne erzählen, was es mit der aktuellen Gegend so auf sich hat.

Und man wird sehr oft eingeladen, generell schon, wenn man zufällig irgendwo auftaucht, und zu Weihnachten doppelt. Die für jedermann offenen Rest-Areas sind ein guter Treffpunkt, öffentliche Orte, frei und für jeden zugänglich. Mein Single-Ausflug am 25. Dezember war geprägt von Räucherfisch und -hühnchen und -maiskolben, freundlichen Gesichtern, jeder Menge Kuchen, zusätzlichem Essen in Mitnehm-Gefäßen, das noch für den ganzen nächsten Tag für zwei Leute reichte, und wieder mit nach Hause gebrachtem eigenem Proviant. Früchte und Schokolade, die ich mithatte, teilte ich natürlich, aber mein eigenes Essen von vorvorgestern ließ ich lieber in der Kühlbox.

Im beruflichen Umfeld scheint die Kommunikationsfreude aber nicht so groß zu sein, zumindest erscheint es uns oft so, dass es eher unkoordiniert und unabgesprochen zugeht, dass die Linke nicht weiß, was die Rechte tut; oder dass es einfach aus anderen Gründen lange dauert, bis etwas entschieden wird. Flotte Umsetzung ist also eher im Reich der Phantasie angesiedelt, und das hemmt die Motivation.

Gewisse Kollegen sind aber auch betont desinteressiert und reden gar nicht mit uns; und wenn, dann kommt immer ein bisschen… Ichweißnichtwas mit rüber. Ob das an unserer Herkunft liegt, an unserer Tätigkeit, Art der Bekleidung oder einer bestimmten Gelegenheit, zu der wir uns unwissentlich besonders danebenbenommen haben, weiß ich nicht.

Ansonsten ist unser Leben hier eine Abwechslung daraus, einen gewissen Standard herzustellen, neue Strategien zu entwickeln und sich auf örtliche Gepflogenheiten umzustellen. Das mit dem Standard, das ist so ein Urdrang, vermutlich eher weiblich, zum dekorativen Nestbau und auch zu praktischen Hilfen, Jagen und Sammeln. Wir haben mittlerweile wasserdichte Boxen für unser Badezeug und meine Fotoausrüstung. Die Boxen sind fürs Auto (in dessen Kofferraum es reintropft, wenn es regnet), fürs Boot, aber auch für den Strand, weil es hier jederzeit und ohne Vorankündigung regnen kann, und man danach trotzdem gern ein trockenes Handtuch hätte, trockene Shorts, Geld oder Zigaretten. Wir haben eine Kühlbox für Proviant und Getränke, ohne ginge es zwar auch, wäre aber sehr unbefriedigend.

Ich habe keinen Haartrockner, und ich brauche auch keinen. Frisur ist für mich sowieso eher eine Nebensächlichkeit („Des san ja nur Hoa!“). Ich werde nie Flipflops tragen, auch wenn man es mir hier zu Beginn gegen die geschwollenen Füße noch so sehr empfahl („Rule number one: In Asia, always wear Flip Flops!“). Ich hasse das Gefühl eines Fremdkörpers zwischen meinen Zehen – und übrigens auch das einer gewissen Art von Unterwäsche zwischen meinen Hinterbacken – der Zusammenhang ist eindeutig.

Ich habe mir ein ärmelloses Schwimmshirt gekauft und trage das inzwischen lieber als irgendein Bikinioberteil. Es ist hinterher stundenlang schön kühl mit einem feuchten Shirt. Oben ohne geht hier gar nicht (dazu erzähle ich ein andermal mehr), und stundenlange Einschnürung führt zu Problemen. Mein Brustbein, das unter Rheuma leidet, wie ihr vielleicht wisst, goutiert eingeschnürte Empfindungen auf Brusthöhe nicht, schon gar nicht über längere Zeit.

Wir kommen mittlerweile in unserem Apartment fast durchgehend ohne Klimaanlage aus. Fenster auf, und wir haben Deckenventilatoren, eine super Sache übrigens, die auch für heiße Sommer in unserem Schlafzimmer daheim in LDorf fix geplant ist.
Daheim werd ich mir ein Auto mit Automatik kaufen müssen, wenn ich mein Getriebe nicht ruinieren will, denn der Kuppelimpuls ist mir in unserem Automatik-Uralt-Nissan mittlerweile völlig abhanden gekommen.

Erfahrung macht Weisheit. Ich hab mich sicher verändert, viele Ängste abgebaut oder ganz verloren oder habe zumindest den Mut zur Überwindung leichter zur Hand. Es gefällt mir, schlicht zu sagen „I’m a photographer“ und nicht herumzueiern, dass das ja eigentlich nur ein Hobby ist, und ich ja in Wirklichkeit nur blabla.

Die unzureichende Verbindung zum Internet ist hingegen eine Geduldsprobe. Die ganze Sache mit Prepaid-Karten und Anmeldung beim Provider lässt einen mürbe werden. Nicht nur muss man Karten im Voraus bezahlen (7h 10$), die erkaufte Zeit läuft auch noch nach einer gewissen Zeit (meistens drei Wochen, manchmal auch nur drei Tage) einfach ab und ist dann futsch, auch wenn man sie nicht verbraucht hat. Am Notebook geht das noch halbwegs, am Handy ist es aber eine echte Qual. Und ich spreche nicht von Massenuploads von Je-2MB-Fotos, sondern von Kleinigkeiten: Schnell mal einen Geburtstagsgruß über WhatsApp oder Mail zu verschicken ist mitunter einfach nicht drin.

Im Institut dürfen wir das Internet benutzen, was vor allem für Handy-Apps eine Erleichterung ist – aber sinnvoll nutzen kann man es nur abends oder nachts, in der übrigen Zeit ist einfach zu viel traffic. Man gewöhnt sich dran, es wird (innerlich) besser, und wenn’s gerade nicht geht, dann eben ein andermal. Manches beginnt man auch genauer zu planen, damit es einfacher wird, aber nicht immer gehen diese Pläne auch auf. Ich entschuldige mich daher hiermit auch bei den vielen Freunden, die um Weihnachten Geburtstag haben/hatten, und denen ich nicht (oder nicht taggenau) gratulieren konnte – allen alles Gute!

Mittlerweile ist es mir öfter egal als nicht egal, aber manchmal gerate ich immer noch auf die geistige „Das MUSS doch gehen“-Schiene, und dann versuche ich, der Verbindung mithilfe von hartnäckigem Starren, Fingerklopfen und motivierenden Flüchen eine höhere Geschwindigkeit abzutrotzen. Zur Erfolgsquote brauche ich bestimmt kein Wort zu verlieren. Es dauert eben vieles länger als gewohnt. Sehr viel länger.

Es hat aber auch unbestreitbar positive Seiten: Schön ist zetbeh, dass man den Menschen hier noch ins Gesicht sehen kann. Auch den Jugendlichen. Man sieht nicht nur Ohren und Haarschopf hinter der Rückseite eines elektronischen Geräts. Und warum? Weil es am Handy kein vernünftiges Internet gibt. Die jungen Leute treffen sich doch glatt am Strand und spielen Ball! Lachen, haben Spaß, angeln! Einfach so. Entspannt und zufrieden. Ganz ohne Handy oder anderes Ei-Gerät. Menschen pur. Nun mag man einwerfen, das sei natürlich einfach, mit einem Strand und dem geeigneten Wetter. Aber wie oft habt ihr im Sommer bei uns die Ohren eurer Bekannten und Verwandten ohne angewachsene Elektronikrückseiten gesehen? Zu selten. Sicher zu selten.

Wer mich kennt, der weiß, ich bin für klare Elektronik-Gesellschaftsregeln, und das nicht erst seit Palau. Wir sind immerhin noch ohne „Kommunikationshilfen“ aufgewachsen und erinnern uns daran, wie das war.

Abgesehen also von meinen Anfällen von Verbohrtheit, bei denen ich versuche, das Internet zur Mitarbeit zu bewegen, wobei man mir sicher auch mangelnden Realitätssinn vorwerfen könnte, sind wir schon sehr entschleunigt. Normales Gehen haben wir bereits verlernt, wir schlendern nur noch, und zwar nicht nur ziellos durch die Gegend, sondern auch einem erklärten Ziel entgegen. Kein Grund zur Hast. Was sich auch an der Wampenquote ablesen lässt.

Ist der dicke D!ldo unter Deines Holden Shirt etwa der geknebelte, gebundene, aber letztlich unzureichend versteckte El Reisehase? Warum darf der nicht auch in die Kamera grinsen? Oder hast Du ihn verspeist und hältst Dir deshalb den Bauch? Was hat der arme Kerl nur angestellt?

El Reisehase ist auch schon faul geworden. Ich sag eh immer, komm doch mit, aber er bleibt dann doch lieber im Auto sitzen. Wird eben auch schon alt.

Was mein mir rechtmäßig Zugemuteter da unterm Shirt hat, kann ich beim besten Willen nicht sagen, stimme aber damit überein, dass es überaus seltsam aussieht. Es könnte sich um seine flexible Plastiksack-Wasserflasche handeln, aber auch um eine Winderscheinung. Eine externe Winderscheinung wohlgemerkt.

Oder vielleicht ist es irgendein Plastikschutz, der ist nämlich auch in Abwesenheit der Foto-Plastikbox, also etwa bei Fotoausflügen per schlendries, ein absolutes Muss.

Die Frage, warum ich mir den Bauch halte, kam schon 1999 bei Betrachtung unserer Hochzeitsfotos auf, gleichzeitig mit einem gewissen anderen Gerücht. Wahr ist in beiden Fällen vielmehr, dass es mich zu kühlen scheint, mir den nackigen Bauch zu halten und zu tätscheln. Bei unserer Hochzeit war es sehr heiß, und hier genauso. Nur dass bei der Hochzeit mein Bauch nicht nackig war – dies nur, damit hier keine falschen Vorstellungen aufkommen.

Man kann daran aber auch gut erkennen, was ich mir hier schon alles einverleibt habe – der Mangel an frischem Obst und Gemüse sowie an Kochlust und an hitzebedingter Appetitlosigkeit, die ich durch den Einwurf von Burgern und gezuckertem Brot kompensieren muss, und die Abwesenheit von ordentlichem Mineralwasser mit korrekten Blubberblasen. Ich liebe Blubberblasen! Es gibt Club Soda in Dosen, die man sofort austrinken muss, weil nach etwa vier Minuten keine Blubberblasen mehr vorhanden sind, und manchmal gibt es sogar Club Soda in Flaschen. Das war auch schon die Auswahl an kalorienfreien Blubbergetränken, wenn man kein Saccharin oder Aspartam zu sich nehmen möchte.

Das Ergebnis all dessen wird hier gnadenlos sichtbar. Nachwuchs ist in diesem Bauch auch diesmal keiner, und El Reisehase erfreut sich bester Gesundheit.

Du schaust aber nicht wirklich glücklich aus!

Das bin ich auf diesem Foto auch nicht, denn ich musste kurzfristig das Schlendertempo nach oben kurbeln, um innerhalb der 10 Sekunden Selbstauslöserzeit der Firma Sony die Stufen zu meinem Mann hinunterzuwetzen und mich fürs Foto bauchtechnisch vorteilhaft hinzustellen. Theoretisch hätte ich auch den IR-Fernauslöser benutzen können, der jedoch praktisch aufgrund meines erhöhten cerebralen Entspannungsgrades im Auto verblieb, und für ein Zurückschlendern regnete es zu oft.

Na das ist ja ein schönes Abenteuer?! Oder gibt’s auch in Palau so etwas wie Normalität? Wie schnell kehrt „Alltag“ ein und was ist das überhaupt?

Alltag ist, wenn man arbeiten muss und sich vieles daran orientiert. Wie etwa die Zeit, zu der man schlafengeht, direkt davon abhängt, wann man morgens aufgestanden ist, und wann man am nächsten Tag aufstehen muss. Ja, wir arbeiten hier freiwillig, und das ist nicht nur der Tatsache geschuldet, dass wir sonst kein Visum für vier Monate bekommen hätten. Wir haben uns auch von einem Arbeitsumfeld mehr Kontakte, mehr Einblick, mehr Integration und mehr geistige Abwechslung versprochen als von vier Monaten reinem Seelebaumeln. Und das zu Recht. (Und ich erinnere mit Schrecken an mein massives geistiges Absacken nach nur drei Wochen Kur im niederösterreichischen Hinterland.)

Alltag ist auch, wenn die Dinge sich einpendeln. Man muss einkaufen, damit der Kühlschrank was hergibt. Man muss abgekochtes Wasser in Flaschen füllen. Man muss das Geschirr spülen und im Haus stets für Krümelfreiheit sorgen, weil es hier eine Menge Ameisen und Küchenschaben gibt. Man muss seine Wäsche waschen, wofür es optimale und weniger optimale Tage gibt. Man muss sein Zeug in Schuss halten und dabeihaben, was schwieriger geworden ist, seit wir nicht mehr direkt neben dem Büro wohnen (Foto, Notebook, Badezeug, Wasserflasche, Akkus laden, geladene Akkus dann auch mitnehmen, etc pp). Man muss in seinem Büro am Schreibtisch sitzen und Projekte voranbringen, wofür es ebenfalls optimale und weniger optimale Tage gibt, so wie daheim auch. All das kostet Zeit, die man demzufolge nicht mit abenteuerlichem Paradiesgenuss verbringt.

Abenteuer passiert oft, wenn man über seinen Schatten springt und für Abenteuer sorgt. Oder wenn man ja sagt, wenn sich spontan etwas ergibt. Selbst wenn es unter „Arbeit“ am Wochenende fällt – wenn man vom Aquaristen-Kollegen aufs Meer gekarrt wird, um tauchend neue Korallen für die Aquarien zu sammeln und Fische zu fangen; ganz allein zu schnorcheln, während die anderen irgendwo tauchen, dabei ganz allein einem Hai zu begegnen und einem Humphead Parrotfish, der doppelt so groß ist wie der Hai, danach ganz allein auf dem Boot zu sitzen, zur Beruhigung eine Zigarette zu rauchen und den Wellen am Außenriff zuzusehen. Dafür opfert man gerne mal einen ansonsten freien Samstag – so wie wir gestern. Ich begegne meiner Angst, jeden einzelnen Tag, und das ist gut so.

Abenteuer ist, wenn man nicht zu müde vom Tag ist, um die Augen offenzuhalten – nach Interessantem, Neuem, Einzigartigem, nach etwas, das einen wirklich berühren kann. Es hat für mich durchaus einiges mit der körperlichen Verfassung zu tun, aber natürlich auch mit geistig-seelischer Offenheit und dem Angebot von außen, das sich wiederum mit steigender Offenheit erhöht. Das brauche ich aber gerade der Freundin, die diese Frage gestellt hat, bestimmt nicht zu erklären.

Abenteuer ist, wenn man auch genug Zeit zum Hinschauen hat. Die paar freien Tage in der letzten Woche haben zum Abenteuergefühl einiges beigetragen. Arbeiten bis Sonnenuntergang, einkaufen und nach Hause fahren, ein bisschen lesen, dann schlafen, aufs Wochenende warten, das ist Alltag, und davon hatten wir in den letzten Wochen tatsächlich allzu reichlich.

Find ich übrigens ziemlich unverschämt, dass ihr Weihnachten im Paradies verbringt und dann noch verkündet, ihr werdet „vielleicht ein bißl wegfahren“ :-P

Da ist zwar kein Fragezeichen dran, aber egal. Die Unverschämtheit relativiert sich vielleicht angesichts meiner Alltagsausführungen ein wenig. Viel Arbeit, wenig Zeit – das ist auch hier so gewesen in den vergangenen Wochen. Die Tage sind hier nicht annähernd so lang wie unsere Sommertage – um 17:30 ist es dunkel. Und wenn man mal wegfährt, ist man nicht so sehr versucht, alles einfach aus Gewohnheit fortzusetzen in diesem seltsamen Halbschlaf, in dem wir alle uns mitunter zu befinden scheinen.

Es ist pervers, aber tun wir nicht sehr oft genau das? Endlich ein bisschen Freizeit, und dann sitzen wir erst recht wieder vorm Bildschirm, gähnen ein bisschen und finden, das Leben könnte aufregender sein, während wir auf die stets unverändert undurchdringliche Oberfläche von Facebook & Co glotzen? Manche tun das ja sogar, während andere Menschen sich höchstpersönlich in ihre Gegenwart bemüht haben.

Wie geht’s dir?

Halbzeit. Es geht mir gut. Manchmal denke ich, zwei Monate hätten auch gereicht. Manchmal freue ich mich auf alles, was da noch kommen mag in der nochmal-soviel-Zeit. Manchmal hab ich einen schlechten Tag mit Frust. Manchmal Heimweh, Mamaweh, Papaweh, Freundeweh, Cindyweh oder Bändweh, das ich mitten in meinem Herz ganz heftig spüre, dann gibts ein paar Tränen. Das ist auch okay. Manchmal triezen mich meine Gelenke, das ist nicht so nett, und ich denke, mein Körper weiß trotz allem, dass es eigentlich Winter ist.

Manchmal ist es hier so schön, dass ich jauchze. Die Farbe des Meeres. Fliegende Fische. Über die Wellen holpern, oder über Feldwege ins Unbekannte. Giant Clams mit absurd genialen Mustern. Schildkröten, die im Riff schwimmen. Ruhe. Ein bunter Vogel. Aufgeschlossene, unkomplizierte Menschen. Weiße Rur-Blüten mit ihrem umwerfendem Duft, der tagelang anhält. Das umwerfende Lächeln der Jugendlichen, die am Strand unter der Brücke Ball spielen.

Ja, es geht mir gut. Danke der Nachfrage!

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Unser Schreinchen

Früher war mehr Lametta. ;) #palau Unser „Schreinchen“, Lametta dank bester Freundin&ihrer XmasPost. http://t.co/wBFADrl4nU

Tweet von @Et0sha

Meine liebe Freundin N. hat mir ein paar Karten mitgegeben, für Advent, für Weihnachten und für Silvester. Ins Weihnachtskuvert hat sie auch Lametta dazugepackt, also hat jetzt die Giant-Clam-Schale in unserem Schreinchen eine Weihnachtsdekoration erhalten. Der Platz liegt auf dem Flur zwischen Wohnzimmer und Schlafzimmer, und dort kommt alles hin, was andere in eine Vitrine stellen würden. Die Muscheln hab ich letzte Woche am hintersten Ende von Malakal geschenkt bekommen, wo man gerade damit beschäftigt war, ein Haus, das man bei uns abreißen würde, als Versandstation herzurichten (Foto ist auf Flickr irgendwo, wenn jemand einen Link posten möchte? Ich kann grad tempomäßig nicht.). Draußen vor diesem Haus lag Schutt und ein Haufen Giant-Clam-Schalen, und die mit dem Lametta hat sogar noch zusammenpassende Ober- und Unterseite!

Nochmal daaaanke fürs Lametta, Süße! xx Frohe Feiertage, ihr lieben Leser da draußen!

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Palau-Texter – da Winna

Das Echo auf meinen Palau-Texter-Aufruf war ja von der Anzahl der Beiträge her nicht gerade überwältigend, dafür waren sie aber umso toller, fand ich. Ich zumindest hab mich prächtig amüsiert und werde das demnächst wiederholen. Jetzt wissen wir wenigstens, wie das geht.

Den Pokal für den Gewinner des Palau-Texters hab ich selbst gemacht – ich bitte um gefällige Beachtung, insbesondere der Ohr-Muscheln. Ich hatte nicht wahnsinnig viel Zeit, entschuldigt also bitte die etwas rohe Ausführung.

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Frohe Weihnachten!

Ihr Lieben da draußen, ich wünsche Euch ein frohes, wunderschönes Weihnachtsfest, wo immer ihr gerade seid. Genießt die Anwesenheit Eurer Angetrauten und Verwandten – selbst wenn sie euch anstrengend erscheinen sollten, denn mit ihnen ist es viel feiner als ohne sie. Ich danke Euch fürs Mitlesen, Dabeisein und Kommentieren in den letzten Wochen. Genießt Eure Feiertage und lasst mich wissen, wie es Euch ergangen ist.

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Lost Places Palau 2

Ich mag ja altes Zeug, verlassene Orte und rostige Überbleibsel aus vergangenen Zeiten. Und davon gibts hier auf der Insel so einiges! Und weil diese Woche einige Institutsmitarbeiter auf Urlaub sind, ist das Internet auch nicht ganz so lahm wie sonst, und draußen schüttets wie aus Schaffeln, was also sollte ich sonst tun außer meine Fotos hochladen?

Drum hier ein paar Bilder aus den letzten Wochen. Relativ unkommentiert, aber eine kleine Beschreibung findet sich in der Bildunterschrift.

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Vor der neuen Haustür

Während ihr euch weiter den Kopf über eine sinnvolle Bildunterschrift zerbrechen dürft, komme ich schon wieder mit neuen Geschichten. Was bin ich doch produktiv!

Wir wohnen ebenerdig in unserem Apartmenthaus an einer Bumpy Road – einem Feldweg mit Schlaglöchern, den man nur sehr langsam befahren kann. Vor unserer Fensterfront zur Straße ist als erstes der Wand entlang ein schmaler Betonstreifen, davor liegt ein etwa vier mal zehn Meter großer Vorgarten, der offenbar vor langer Zeit mal betoniert war, davon sind die Reste in Form von kleinen Steinchen, größeren Brocken und ein paar graubraunen, rauhen Flächen übrig.

Wochenlang sprießen darin allerlei Gräser mit breiten Halmen und witzigen sternförmigen Samenständen, die mal drei-, mal vier- oder fünfzählig sind, aber immer symmetrisch. Sogar kleinere Taropflanzen sorgen für heimeliges Grün, bevor der Vermieter schließlich jemanden vorbeischickt, der das ganze gnadenlos, ja beinah „unter der Kopfhaut“ umnietet und so kurz abschneidet, dass man vom Hinschauen schon Depressionen kriegt. Armselige, fasrige Pflanzenreste auf Steinhalde.

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Und ewig spuckt die Betelnuss

Augustin Krämer, der Hamburger Völkerkundler, schreibt im 3. Band „Palau – Ergebnisse der Südseeexpedition 1908-1910“ von 1926, den ich mit allen anderen Bänden in der digitalen Bibliothek fand:

Der Betelpfeffer KEBUI, der vom Himmel stammt, ist eine göttliche Gabe und wird hoch bewertet. Da er gerne gestohlen wird, pflanzt man ihn in der Nähe der Häuser an und umgibt ihn mit einem Zaun.[…]

(3/S.60(71))
Dazu muss man wissen, dass für die Palauaner Zäune und generell Landbesitz eher unvertraute Gedanken sind.

Weiter schreibt er:
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