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Und schon wieder wech

Ihr Lieben, so gerne wollte ich noch Teil 3 der Seglerei online stellen, bevor ich in meine zweiwöchige Sommerverlängerung starte! Aber ich habs nicht geschafft. Dazu wäre die Mitarbeit einer elektronischen Instanz namens Partition C nötig gewesen, die leider vorige Woche völlig unvermutet von mir gegangen ist.
Wie das denn passiert sei, was ich denn gemacht hätte, fragte mein Mann. Mit theatralischem Unterton erzählte ich die peinliche Wahrheit: ‚Ich habe eine DVD eingelegt!‘. Er meinte, ‚Na, DANN! DAS darfst du natürlich nicht. Wie kommst du denn auf DIE Idee?‘

Mittlerweile läuft das Betriebssystem wieder, ohne Neuaufsetzen, weil ich das hasse, und etwas später habe ich auch meinen Bildbetrachter wieder zum Leben erwecken können – aber es dauerte eben ein paar Tage, und die fehlen mir hier und jetzt. Aber der Teil 3 wird natürlich nachgeholt, wenn ich wieder da bin.

Ich wünsch euch eine schöne Zeit!

BisBald

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Diensthabender Aspekt: Narr

Den lieben langen Tag bin ich hier allein, spreche maximal mit meiner Hündin, deren passiver Wortschatz zwar erstaunlich groß ist, aber eben auch endenwollend, oder, seltener, mal mit der Nachbarin, auf deren Wortschatz ich hier nicht näher eingehe. Den Großteil der Wochentagszeit aber bin ich allein, ich frühstücke, arbeite, schreibe, fotografiere, surfe, mache ein Schläfchen oder hol mir im Garten schwarze Fingernägel – alles allein.

Abgesehen von den gelegentlich heranknospenden Tagen, an denen ich schon mit einem Mordsgrant aufstehe, der sich dann meist den ganzen Tag über nicht richtig legt oder bei Bedarf sogar noch ausbaufähig ist, bin ich in meinem Inneren stets ich, so scheint es mir – immer gleich, immer das gute alte Tosherl. Ja, ich sehne mich nach diesem oder fühle mich nach jenem, nicht alles ist stets in greifbarer Nähe, die Laune steigt und sinkt, und ich würde mein Inneres nicht unbedingt mit dem Wort gleichförmig beschreiben, aber da ist eine gewisse Zuverlässigkeit in meinem inneren Sein.

Allerdings ist die Facette der sozialen Interaktion aus diesem Sein anscheinend völlig ausgeklammert. Ich weiß aller inneren Zuverlässigkeit zum Trotze nie, wer ich heute bin. Erst in der Interaktion mit anderen zeigt sich meine soziale Tagesverfassung – beinah so, als wäre es gar nicht nötig, eine Tagesverfassung zu haben, solange man nur niemandem begegnet.

Im entspannten Miteinander, aus dem sowohl mein Arbeits- als auch mein Privatleben größtenteils besteht, ist es so: Bemerkungen und Antworten entschlüpfen mir mehr, als dass ich sie planen und vorformulieren würde, und erst aus ihnen erfahre ich, manchmal blitzartig, manchmal allmählich, wie ich an diesem Tag ticke. Dann höre ich, was ich sage, und denke mir was dazu, zetbeh „Puh, Antworten ist abe heuter eztrem xäh, die Laute in welche Feihenrolge schnell gehören mochnal?“, oder aber auch „Holla die Waldfee, heut bin ich ja witzig!“. Ja, fürwahr, ich denke mir „Holla die Waldfee!“, zuweilen. Klar mir. Wem sollte ich es auch sonst denken?

Zwischen diesen Extremen gibt es noch so manche Abstufung. Man möchte meinen, das wäre fast so schwierig wie sich selbst zu kitzeln, aber: ich überrasche mich selbst.

An manchen Tagen kommt wirklich je-des-mal, wenn ich den Mund aufmache, etwas Absurd-Treffendes pfeilschnell hervorgeschossen, ohne dass ich meinem Hirn irgendeine Vorarbeit angemerkt hätte. Die Menschen in meiner Umgebung kennen mich so natürlich auch, aber nicht ausschließlich so – und sie schütteln sich vor Lachen, und manchmal auch ihren Kopf.

Beim Schreiben gehts mir ähnlich. Manchmal weiß ich bereits aus der oben beschriebenen Interaktion, dass ich es am aktuellen Tag mit Worten nicht so habe. Da fallen mir schon beim Reden nur die Zweittreffendsten ein, und beim Schreiben wirds nicht gerade besser, was zur Folge hat, dass ich mit mir selber Wortschatzkramen spiele und über sinnlose Assoziationen, die immer weiter vom Thema abführen – abführen, hihi, Wortverstopfung – und mich darauf bringen, dass ich noch mit dem Hund gehen wollte, weil morgen die Müllabfuhr kommt, hä?, meist den Faden völlig verliere.
Dann aber wieder möchte ich nur ein kurzes E-Mail schreiben und kann nicht mehr aufhören, weil der Unsinn, der mir aus den Tippfingern fließt, so charmant und geschmeidig und melodisch daherkommt, dass ich ihn nicht unterbrechen will, um dem Zauber so lange wie möglich sein buntes Glitzern zu entlocken. Und gar nicht so selten erfahre ich auf diese Weise auch, was ich wirklich denke.

Dem aufmerksamen Leser entgeht natürlich nicht ein gewisser Widersinn, der sich daraus ergibt, dass man auch E-Mails meistens dann schreibt, wenn man alleine ist. Ich aber sage euch, Mailen ist soziale Interaktion. Witzigen Menschen kann ich auch witzige Mails schreiben, bei unwitzigen Menschen gelingt mir das nur höchst selten. (Ich fürchte mich schon jetzt vor der mutmaßlichen Perzeption jedes E-Mails, das ich von heute an verschicke. „Bin ich unwitzig, weil sie mir so ein unfassbar fades Mail schickt?“ Ok, ist nur ein Leitsatz, das Ganze. Ausnahmen bestätigen die Regel. Und Angeschriebene sind immer ausgenommen. =)

Es ist jedenfalls ein interessantes und erstaunliches Phänomen, wie zuverlässig ich über mich selbst immer nur die Hälfte weiß, solange ich alleine bin. Es kommt mir vor, als wäre in mir ein Segel aus glänzender Seide gespannt, das jeden Tag eine andere Farbe annimmt, ein Segel mit unterschiedlichen Bereichen der Reflexion, die immer andere Fragmente meiner Umgebung einfangen, tönen und zurückwerfen. Als übernähme täglich ein Aspekt von mir die Führung, den auch ich selbst erst dann wiedererkenne, wenn er den Mund aufmacht. Bis dahin weiß ich nicht, wer heute Dienst hat – ist es der Narr? Der aufbrausende Großkotz? Meister Scheißminix? Der Schöpfer oder der Erschöpfte? Oder ist es gar ein Debütant?

Wie stellt man also fest, wie man zu einem konkreten Zeitpunkt gelaunt ist? Man treffe jemanden und höre sich selbst zu, was man sagt, und wie man es sagt. Das Phänomen ist auch und gerade deshalb so spannend, weil man nicht die volle Kontrolle darüber hat.

Man höre also nicht nur in sich hinein, sondern manchmal auch aus sich heraus.

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Segeln 2

Viel Wind war ja nicht gerade. Bis auf einmal, da war dann gleich zu viel Wind. Dazu komme ich dann aber später.

Es gibt aber tatsächlich auch Stunden mit adäquatem Segelwind, nur zum Beweis:

Die Nase im Wind

Indes versuchen die Wolken, sich unauffällig vom Festland aus heranzupirschen.

Wolkensuppe

Wir gurken unter Motor zwischen dem Festland und Krk Richtung Norden, um unter der Krk-Brücke durchzufahren.

Most Krk, die Krk-Brücke Most Krk, die Krk-Brücke

Wir passieren Rijeka mit Blick auf das Industriegebiet und bestaunen die dazugehörige Smog-Glocke, die über der Küste liegt. In Martinscica auf Cres hoffen wir auf Strom und Wasser, was zwar prinzipiell beides vorhanden wäre, aber dennoch unerreichbar – Wasserschlauch und Kabel sind zu kurz; dafür ist aber auch der Marinero nicht vorhanden, laut Auskunft der Kellnerin im (bayerischen!) Restaurant an der Mole: „Ist zu Chause, trinken, schlafen, waiß nicht.“ Wenigstens liegen wir also gratis. Und gegen Verhungern und Verdursten ist unter der blau-weißen Plastikhülle des Restauranthofes auch vorgesorgt.

Dem Skipper ist am nächsten Tag schlecht von zu viel, öhm, Beefsteak, er verschläft unsere Fahrt durch die weggeklappte Autobrücke in Osor. Windstärke und Wellengang „absurd“ wurden angekündigt.

Wegklappbrücke in Osor

Von der Pause zur Nahrungsaufnahme an der Südostseite von Cres nehme ich eine Brandblase als Souvenir an das Backrohr mit, in welchigem ich sensationelle Sugo-Brote mit Camembert fabriziere. Danach starten wir unsere Überfahrt Richtung Rab-Stadt, wohlverpackt in Regenkleidung. Der Wind frischt auf, die Wellen werden immer höher. Davon hab ich allerdings keine Fotos, da war ich mit dem Festklemmen meines Körpers an Deck beschäftigt und hatte keine Lust, den Niedergang hinunterzupurzeln, um mir blaue Flecken bzw. die Kamera zu holen. Wenn die Kamera wasserdicht wäre, dann vielleicht. So aber beschränke ich mich darauf, den Seegang, der zwar nicht absurd ist, aber doch heftiger als gewöhnt, ohne Fotoauge wahrzunehmen, dafür breitseits und mit vollem Körpereinsatz (Haut, Magen, Gleichgewichtsorgan). Wir sehen ständig die selbe kleine Insel, scheinbar von allen Seiten, die Fahrt scheint sehr lange zu dauern.

Irgendwann schaffen wir es aber doch nach Rab-Stadt, der Regen setzt ein und hat einige äußerst gemütliche Stunden zur Folge, die wir unter Deck verbringen. Am Abend lassen wir uns von einem werbetechnisch sehr talentierten Wirt per Auto in sein Restaurant „Adria“ karren und speisen auf der Terrasse inmitten von Pinienwäldern. Die Palatschinken mit Eis und heißen Kirschen sind eine wahre Sensation.

Auch den nächsten Vormittag verregnet es uns, niemand hat bei dem Wetter Lust hinauszufahren. Die Gewitterwolken scheinen schier endlos, es regnet, blitzt und donnert. Zu Mittag jedoch taucht über der Altstadt ein unscheinbares Fleckchen blauen Himmels auf und drückt und schiebt sich hin und her, es plustert sich so wacker gegen die Regensuppe auf, bis tatsächlich nur noch blauer Himmel und weiße Wölkchen zu sehen sind.

Der Skipper geht „Tupperdosen suchen“ (geocaching), Martin und ich begleiten ihn. Dabei durch- und überquert man den Hügelpark neben der Altstadt, der mit schönen Felsen aufwarten kann…

Rab-Stadt, im Park

…und mit lange vergangenem Meeresgetier…

Rab-Stadt, im Park

Man landet auf der Uferpromenade dahinter.

Rab-Stadt, am Strand unter der Altstadt Rab-Stadt, am Strand unter der Altstadt

Die Sonne strahlt, wir schwitzen uns eins und finden die Gegend ausgesprochen unwirklich.

Rab-Stadt, am Strand unter der Altstadt

Über die Treppe am Ende der Promenade erreicht man die Höhen und kleinen Gässchen der Raber Altstadt. Dort lässt sich’s gut shoppen, wir erstehen ein paar Sonnenbrillen und durchwegs seltsame Kopfbedeckungen.

Rab-Stadt, Altstadt

Am Abend noch ein paar Nightshots der Marina, mit salzwasserverschmiertem Objektiv, wie ich später feststellen muss – ist aber kein Beinbruch, alles halb so schlimm.

Rab-Stadt, Marina

Weiter gehts am nächsten Morgen bei völliger Flaute, wir motoren wieder – gut, dass wir Fotografen die Schräglage auch fingieren können.

Künstliche Schräglage

Ein letzter Blick zurück auf die schöne Stadt.

Rab-Stadt Panorama

Und auf zu neuen Aussichten auf dem Weg nach Grgur – die Bilder von der zweiten Gefängnisinsel gibts dann im Teil 3.

Aussicht

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