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A-6b C.i. obliviscens: Fallbeispiele

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Weitere Ausprägungen und Fallbeispiele

Schlüssel, Sonnenbrillen, Geldbörse – nicht nur neigt so mancher Schweinehundewirt dazu, sie irgendwo liegenzulassen, auch ist der nicht gelingenwollende Abruf des entsprechenden Aufenthaltsortes ein häufiger Anlass zum Verfluchen des Vergessers. C.i. obliviscens lässt dich mitten in einer Handlung einen tranceähnlichen Zustand erreichen, sodass du später nicht den geringsten Tau hast, wo du das eine oder andere abgelegt haben könntest. Zeitdruck ist in einer solchen Situation nicht unbedingt eine Hilfe. Da kommt der Wunsch nach einem leibeigenen Hypnotiseur auf, der in deinem Unterbewusstsein nach den Informationen gräbt, die dir bewusst nicht mehr zugänglich sind. Ich habe schon Schlüssel im Eierfach der Kühlschranktür wiedergefunden. Natürlich nicht beim Suchen, sondern beim anschließenden Frustfressen. Auch ließ ich früher, als ich mit meinem Mann noch in Wien wohnte, wiederholt meinen Schlüsselbund am Briefkasten im Erdgeschoß stecken, was mir erst auffiel, als ich ihn an der Wohnungstür nicht finden konnte. Dritter Stock, Altbau.

Hat in einem Zuhause ein beliebiger Gegenstand einmal einen angestammten Platz, so wirst du ihn immer dort suchen. Je länger er dort verbleibt, desto fixer ist dieser Aufenthaltsort, zumindest im Geiste. Sabotiert wird solcherlei Ansinnen einerseits von weiteren im Haushalt lebenden Menschen, die zwar stets wissen, wo sie diesen Gegenstand finden können, ihn aber nie dorthin zurücklegen. Oder du selbst öffnest dem Vergesser Tür und Tor, etwa indem du in einer großen Umräumaktion vielen Dingen gleichzeitig einen neuen Platz zuweist. Meine Mutter hat eine große Tabelle angelegt: „Gegenstand, alter Platz, neuer Platz“. Denn wenn ein Fotoalbum zwanzig Jahre lang an einem bestimmten Platz war, wo suchst du es dann? So eigenhändig kannst du das Album gar nicht umgeräumt haben, dass du es auf Anhieb wiederfändest. Im Extremfall machst du dich auf, um es in einem bestimmten Schrank zu suchen, der, wie du bei der Ankunft am entsprechenden Platz feststellen wirst, an dieser Stelle schon seit Jahren nicht mehr steht.

Auch vollkommen sinnfreie Handlungen gehen auf das Konto des Vergessers. Warum nicht in der alltäglichen Routine den einen oder anderen Punkt überspringen und das ganze als Effizienz tarnen? So kann man nach dem Befüllen des Wasserkochers den Teebeutel an der vorbereiteten Teekanne vorbeischmuggeln und ihn mitsamt seiner bereits aufgerissenen Umverpackung seiner finalen Bestimmung im Müll zuführen. Nicht nur erspart man sich die Ziehzeit und das Teetrinken selbst, auch das anschließende Spülen von Teekanne und Tasse entfällt. Der Vergesser schickt dir auch gerne einen mitteilsamen Gesprächspartner, der dir beredt, aber trotzdem kommentarlos dabei zusieht, wie du dreißig Schnitzel panierst, ohne dazu auch nur ein Tröpflein Ei zu verwenden.

Wie schon kurz angedeutet, sorgt der Vergesser in großen Häusern, womöglich mit mehreren Stockwerken oder Räumen auf verschiedenen Ebenen, gerne für die Fitness seines Wirtes, was bei anderen Schweinehunden relativ selten ist. Willst du beim nächsten Hinaufgehen etwa das soeben gekaufte Brot mitnehmen, dann musst du es schon mitten im Weg platzieren, beispielsweise auf der Treppe. Ein schnödes Sammeln von Mitraufnehmzeug an einem Platz in der Nähe der Treppe hat in der Geschichte der Menschheit nur selten dazu geführt, dass etwas tatsächlich mit nach oben genommen worden wäre.
Aber auch hier ist kein endgültiges Vergessen drin; man will ja frühstücken, und nichtvorhandenes Brot lässt sich oben, auf der Maschine in der Küche, relativ schlecht schneiden. Die Scheiben werden dann so dünn. Um das Benötigte zu holen, an dem du soeben mit leeren Armen, sprich: mit 100% Mitnehm-Kapazität, vorbeigegangen bist, musst du also nochmal runterstapfen, und bist dabei so mit Kopfschütteln beschäftigt, dass du natürlich auch vergisst, dir wenigstens gleich das gesammelte Mitrunternehmzeug aufzuladen.

Mit-nach-oben-Nehmen ist wirklich ein schwieriges Kapitel. Ich vermute, dass auch viel mehr Menschen nach ihrem Ableben in den Himmel kommen hätten sollen.

Brot ist übrigens eine Leibspeise des Vergessers. Er verhindert, dass es abends austrocknungsresistent verpackt wird, und sorgt so am nächsten Morgen für lange Gesichter angesichts der erhärteten Tatsachen.

Wie oft verfolgen wir uns selbst und unsere Wege zurück durch die Zeit, um herauszufinden, was uns gerade dazu angetrieben haben mag, den Raum zu verlassen, um kurz darauf in einem anderen völlig ahnungslos zum Stehen zu kommen? Wie viel Zeit verschwenden wir mit Hand-auf-die-Stirn und Zurück-zum-Start?

Ich weiß von einer Freundin, die nur zuhause und nur in einem gewissen Sicherheitsabstand zwischen sich und jeglicher Notierungsmöglichkeit in der Lage ist, die Erinnerung an versäumte Pflichten im Büro erfolgreich abzurufen. Sie nennt diese Ausprägung des Vergessers „fieser Saboteur“, und hier ist der von dir gewünschte Namenszusatz: ludificans maleficus. Ein Dämmerzustand ist im Büro ja nicht selten und dient vermutlich der psychischen Gesundheit (nicht umsonst heißt es „Augen zu und durch“), und der Schlaf zwischen 9 und 17 Uhr soll ja der gesündeste sein. Ich schicke mir selbst regelmäßig Mails von zuhause an meine Büroadresse und leite diese ein mit „Hier spricht dein Gewissen!“.
Ich weiß von einer anderen Freundin, die mit wohlüberlegt gepacktem Köfferchen zum Flughafen fuhr, ohne das daheim gut sichtbar auf dem Tisch liegende Päckchen mit Ticket und Reisepass mitzunehmen, und dann in einer hektischen Aktion nochmal den ganzen Weg zurückfahren musste. Und wieder hin, versteht sich.

Das Mitnehmen von Dingen zu einem Zielort außerhalb des Hauses – vulgo „Mitbringen“ – ist aber auch gar nicht so einfach. Schaffst du es doch mithilfe trickreicher Selbstüberlistungen, etwas ins Auto mitzunehmen oder in die Handtasche zu packen, ist mit diesem Teilsieg gegen den Vergesser die Mitbring-Handlung für dein Gehirn auch schon abgeschlossen. Du vergisst später garantiert, es dort abzugeben, wo es sein Ziel hätte haben sollen. Und ich weiß, wovon ich schreibe. Nicht umsonst nannte mein Mann letztens meine privaten Aktivitäten „Zustellung von Kleinscheiß aller Art“.

Apropos Teilsieg: Dem Vergesser reicht es völlig, wenn du irgendwas in der Hand hast. Es muss nicht zwingend das richtige Utensil sein. Mit einem Hut, einer Sonnenbrille oder einem Feuerzeug kann man zwar keine Autotür wieder aufschließen, sie reichen jedoch völlig aus, dir das Gefühl zu geben, deine Hände seien voll und daher wäre alles in Ordnung, und mit diesem Gefühl die bereits abgesperrte Auto- oder Kofferraumtür guten Gewissens zuzumachen. Zum Glück sind neuere Autos heutzutage anders gebaut und verhindern solcherlei Schmach, die mir anno 1992 noch nicht erspart blieb, als ich mir von ein paar Rockern am Musikfest in Waidhofen an der Thaya das Kofferraumschloss knacken lassen musste, in dem mein Schlüsselbund lag. Kostenpunkt: Drei große Biere.

Ich kann auch fotografieren gehen, ohne die Kamera mitzunehmen, oder zu diversen einzigartigen Anlässen ohne das in langen Stunden vorbereitete und wunderschön verpackte Geschenk auftauchen – mit dem richtigen Schweinehund ist das alles kein Problem. Am schwersten ist der Befall durch Obliviscens für Perfektionisten oder vom Verbieter befallene Leute zu ertragen, denn diese Menschen leiden doppelt unter jeder versäumten Gelegenheit zur persönlichen Effizienz.

Eine der besonders unbrauchbaren Künste des Vergessers sind auch seine Reminder vor dem Einschlafen. Als könnte man zu diesem Zeitpunkt auch nur das Geringste erledigen! Meines Wissens sind Arztpraxen oder Kfz-Werkstätten zu dieser Zeit weder besetzt, noch freut sich die Urstrumpftante über einen nachmitternächtlichen Geburtstagsanruf. Darum sind Block und Kugelschreiber auch am Nachttisch unentbehrliche Utensilien, um nach dem Notieren dieser lebenswichtigen präsomnalen Eingebungen doch noch ein wenig Schlaf zu finden. Wer erst aufstehen muss, um an Schreibgerät zu kommen, kann schon froh sein, wenn er noch weiß, was er holen wollte, wenn er mit schmerzhaft verkleinerten Pupillen verloren in der hellerleuchteten Küche steht.

Fazit

Das Leben mit C.i. Obliviscens erfordert höchste Konzentration. Einen eingelullten Traummännlein-Zustand kann man sich als parasitbefallener Mensch nicht leisten. Die innere Stimme bemüht sich jedoch stets, den Vergesser zu überschreien. Beim Hantieren mit Brieftaschen, Schlüsseln und Sonnenbrillen brüllt sie ihren Weckruf stets aus vollem Hals. Lausche ihrem Ruf – und platziere deine Notizblöcke günstig, dann wird alles gut. Denn das Notieren führt dich im Kampf gegen den Vergesser in eine neue Dimension: Anstatt deine Zeit mit der Suche nach Gegenständen zu verplempern, suchst du in Zukunft nach Zetteln.

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A-6. C.i. obliviscens: Der Vergesser

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A-6. C.i. obliviscens: Der Vergesser

‚Glücklich ist, wer vergisst, was noch zu verrichten ist.‘

Überlieferungen zufolge existierte in grauer Vorzeit schon einmal eine ausführliche Beschreibung dieses Schweinehundes. Angeblich sogar eine recht treffende. Sie wäre gewiss auch heute noch hochinteressant, hätte man nicht vergessen, sie niederzuschreiben. Also, auf ein Neues!

Öhm, was wollte ich gerade sagen?

Der Vergesser ernährt sich von deinen Ideen und von allem, was du dir einprägen möchtest. Er sorgt dafür, dass du Erledigungen oder Termine einfach vergisst, die nur wenig Zeit in Anspruch genommen hätten und noch dazu ohnehin auf deinem Weg gelegen wären (wie Arbeit, Tierarzt, Auftragsmord). Obliviscens lässt seine heimtückische Gnade walten und dich unbekümmerten Frohsinns deines Weges ziehen, womöglich macht er sich noch über dich lustig, indem er dich darüber frohlocken lässt, wie überraschend gut du doch heute im Zeitplan liegst.
Das wäre ja halb so hinterfotzig, hätte das Vorgehen des Vergessers nicht zwei Stufen. Im nächsten Schritt vollbringt er, dass dir diese Verpflichtungen kurz vor deren Fälligkeit – oder aber bevorzugt danach – wieder einfallen.

Ist die Wahl des Schweinehundes auf ‚kurz vor Fälligkeit‘ gefallen, dann kannst du schonmal deine Herzpillen suchen gehen: Ein akuter Zustand siedendheißer Panik setzt ein, begleitet von Schweißausbrüchen und einem mulmigen Gefühl in der Magengrube, außerdem erfreust du dich einer infolge akuten Zitterns völlig unbrauchbar gewordenen Feinmotorik. Die Nebennieren schütten Adrenalin aus, das bekanntlich vor allem der quergestreiften Muskulatur den ultimativen Kick gibt. Flucht oder Angriff! Jetzt! Diese Voraussetzungen kombinierst du zu einem aberwitzig überstürzten Aufbruch – Arbeit, Tierarzt, Auftragsmord, wohin auch immer. Allerdings ist das menschliche Gehirn leider kein quergestreifter Muskel. Für die konkrete Erledigung unverzichtbare Utensilien wie Büroschlüssel, Hund, Pistole, bleiben daher zuhause auf – oder unter – dem Küchentisch liegen.

Schickt dir der Vergesser den Geistesblitz über die vergessene Erledigung hingegen erst nach deren Fälligkeit, bleibt zwar das erwähnte mulmige Gefühl auch nicht aus, dafür blickst du auf einen, je nach Angelegenheit, kleinen oder großen Haufen betretener Niedergeschlagenheit. Wenn du dabei noch sowas wie Glück hast, kannst du die Erledigung nachholen, es erwarten dich dabei aber verplemperte Zeit, unnötige Kilometer, und du spürst jeden einzelnen wie einen körperlichen Schmerz, nicht zuletzt deshalb, weil du dir die ganze Zeit lang Schimpftiraden anhören musst – von dir selbst über dich selbst.
Kannst du die Sache nicht nachholen, übermannt dich ein kindischer, ein absurder und vergeblicher Wunsch, nämlich jener, die Zeit zurückdrehen zu können – und er tut es mit voller Wucht. Mit diesem Wunsch beschäftigst du dich wesentlich länger, als es für einen Erwachsenen angebracht wäre.

Was die verlorene Zeit betrifft, so musst du dich aber gar nicht übermäßig grämen: In einem gut etablierten Schweinehundestall hätten der Verächter, der Verbieter oder der Zweifler eine kreative oder seelisch erfüllende Tätigkeit in dieser Zeit ohnehin erfolgreich verhindert.

Bist du vom Vergesser befallen, dann werden auch sämtliche Angelegenheiten, deren Notwendigkeit du dir mühsam eingeprägt hattest, sobald du einmal, wenn auch nur flüchtig, an deren Ausführung gedacht hast, sofort vom Hirn als erledigt abgehakt. Alle späteren Bemühungen, das verzweifelt Gesuchte wieder an die Oberfläche zu befördern, indem du dir ebenso krampfhaft wie tagelang dein Hirn zermarterst, bleiben erfolglos. So kommt es, dass tausende Ideen zur Rettung der Welt nicht einfach in Schubladen vermodern – sie wurden schlicht vom Vergesser gefressen.

Seine metaphysische Ausdehnung versetzt diesen Schweinehund allerdings in die Lage, dich anderweitig und sehr unmittelbar an die verlorene Erinnerungsspur heranzuführen, beispielsweise mithilfe von Anmahnungen von dritter Seite (Chef; den Impfpass beanstandender Zollbeamter; um die Anzahlung geprellter Auftraggeber Marke ‚Stinksauer‘).

Selbst Lernerfolge, die du bereits vor langer Zeit erzielt zu haben glaubtest, fallen dem unstillbaren Appetit des Vergessers zum Opfer. Man sollte denken, dass gewisse Erkenntnisse deshalb mit bitteren Erfahrungen einhergehen, damit sie sich tief in das Selbst eingraben – das ist aber bei akuter oder chronischer Obliviscitis nicht der Fall. Daher findest du dich plötzlich in einer Situation wieder, deren Nie-wieder-Auftreten du dir bereits vor Jahr(zehnt)en geschworen hattest.

Ein kleiner Trost: Es ist niemals ein Fall bekanntgeworden, in dem jemandem eine bestimmte Sache nie wieder eingefallen wäre. Kunststück, das liegt auch in der Natur der Sache. Nun, wie ich bereits sagte, ist es ein kleiner Trost.

In seiner Freizeit beschäftigt der Vergesser sich gerne mit Abwägungen in Bezug auf den Schalterstatus von Bügeleisen und Herden, oder mit der Frage, ob du die Haus- oder Autotür auch wirklich abgeschlossen hast.

Nach Attacken durch C.i. obliviscens sind Selbstzerstörungsphantasien nicht selten. („Ich könnte mich in den Hintern beißen!“„Ich könnte mich (er)schlagen!“) Der Wunsch, durch diese Zerstörung deines Selbst diese besonders infame Art Parasit gleich mitauszurotten, dürfte die tiefenpsychologische Grundlage dieser Phantasien sein.

Was tun?

Bei starkem Befall durch den Vergesser helfen nur Stift und Papier in Personalunion. Wichtige Erkenntnisse des Lebens: Aufschreiben und Zettel an die Klotür kleben. Innen!
Organisiere dich, so gut du kannst. Kauf dir einen winzigen Block und einen Kalender, und trag diese stets bei dir, auch nachts. Den Kugelschreiber solltest du dir am besten in die Hand implantieren lassen, denn der Vergesser hat nicht nur einmal auf dem Weg zum Kugelschreiberholen wichtige Erkenntnisse einfach geschluckt. Als Zettel kann dagegen notfalls auch die freie Handfläche dienen.
Ein Tipp für dich, wenn du gerne beim Autofahren geniale Ideen hast: Kauf dir ein Diktiergerät. Eines mit Solarantrieb. Es ist bislang kein Fall bekannt, in dem es der Vergesser geschafft hätte, dass die Sonne vergisst zu scheinen, wohl aber solche, in denen er den Plan zum käuflichen Erwerb von Batterien über Monate hinweg vereitelte.

Man gewöhnt sich schnell daran, alles aufzuschreiben oder ins Diktiergerät zu sprechen. Der Schweinehund wird auf diese Weise recht effektiv ausgehungert. Dieses Vorgehen braucht dir vor anderen Menschen keineswegs peinlich zu sein. Und übrigens: „Ich dokumentiere meine zahlreichen Ideen“ klingt wesentlich souveräner als „Ich bin eben ein vergesslicher Trottel“.

Mir wurde bereits einige Male von erfolgreichen Therapien und extrem abgemagerten C.i. obliviscens berichtet; ich muss allerdings der Ehrlichkeit halber zugeben, dass ich noch nie von der völligen Ausrottung eines Exemplars gehört habe. Kann aber auch sein, dass ich es vergessen habe.

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Die Beschriftung der Welt

Heute war ich auf der Bank, im Foyer, zum Geldabheben. Dort stehen in einem Aufsteller einige Folder nebeneinander zur freien Entnahme, im gewohnten Folder-Radikal-Hochformat, deren Vorderseiten so aussehen:

LEBENSVER
SICHERUNGEN
UNFALLVER
SICHERUNGEN
KRANKENVER
SICHERUNGEN
PENSIONSVER
SICHERUNGEN

Überaus ansehnlich, nicht? Alle Macht dem Layout? Brrr. Pfui Spinne.

Außerdem hängt dort ein Werbeplakat Marke ‚der Bankangstellte mit der schönsten Handschrift kritzelt mit quietschendem Edding was auf A3‘. Es empfiehlt mir:

Legen Sie in „Krisenzeiten“ Ihr Geld sicher an!

Was mich wieder zurück zu den Deppensatzzeichen bringt. Anführungszeichen, die Worte oder Wortgruppen umklammern, verströmen immer ein bisschen den Duft des „Sogenannten“, des „Angeblichen“, eines ironischen „Ist-ja-gar-nicht-so-wie-behauptet“. Der Duft dieser Satzzeichen ist umso stärker zu wittern, je undurchschaubarer die Gründe für ihre Setzung sind. Hier sind es also angebliche Krisenzeiten. Warum sollten Krisenzeiten, die nur angeblich sind, die Macht haben, mich zu irgendeiner finanziellen Entscheidung zu drängen?

Seltsame Blüten treibt das Anführungszeichenunwesen! (Ha! Was für ein ungemein gelungenes Wortspiel! Sofort in die Werbung damit!)

Wir sind ein „Nichtraucher“ Bier Lokal.

(Man beachte auch das elegante Weglassen jedes noch so sehnlich erwarteten Bindestrichs.)

oder

Alle Speisen werden „frisch“ zubereitet.

(Dazu fallen mir ausschließlich appetithemmende Interpretationen ein.)

An der Außenmauer eines Gebrauchtwagenhändlers auf der Triesterstraße steht seit Jahren in großen Lettern geschrieben:

KAUFEN SOFORT „IHR AUTO“
BARZAHLUNG

Die Anführungszeichen sind auch noch schräggestellt, obwohl der Rest der Schrift aus ganz geraden Blockbuchstaben besteht, sodass die Aufschrift sich schon in puncto Ästhetik einer auffälligen Gehaltlosigkeit erfreut. Anlässlich der spontanen Themenwahl „Die Beschriftung der Welt“ am Telefon mit meiner Freundin N. besprechen wir dieses unschöne Beispiel einer hirnlosen Beschriftung, wobei ich ihr nebenbei auch bekanntgebe, dass der laut Verpackung „dezente Vanilleduft“ unseres Klopapiers derzeit auf unangenehm aufdringliche Weise das gesamte Büroklo beduftet, und das noch nichtmal in einer erkennbaren Vanille-Duftnote.

Zum oben genannten Anführungszeichenkonstrukt argumentiere ich, würde man nur das Wort „IHR“ unter Anführungszeichen setzen, dann würde das unterstellen, dass das Auto womöglich gar nicht im Eigentum des willigen Verkäufers steht. Oder man schrübe nur „AUTO“, dann wäre anzunehmen, es handle sich um einen verbeulten, kaum mehr als solchen erkennbaren fahrbaren Untersatz. Aber „IHR AUTO“…?

N. konstatiert scharfsinnig: Klarer Fall, „IHR AUTO“ heißt dann natürlich gestohlene Rostschüssel.

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– -> ‚ ?

Mir ist eine ganz tolle Deppensatzzeichen-Austauschmöglichkeit eingefallen! Überall dort, wo aus Gründen der anglizistischen Anlehnung, der schriftlichen Nachahmung verblödet langsamen Sprechens oder schlicht aus dummdreister Ignoranz der Bindestrich fehlt, also in Worten wie Griess Pudding, Grimme Preis oder Birnen 1 kg Schale, könnte man doch das Deppenleerzeichen durch ein Deppenapostroph ersetzen! Schließlich hat man ein Zeichen ausgelassen!

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Wir hören uns!

Meine Schwägerin ist schuld. Sie hat sich so ein Ding gekauft. Und mir davon vorgeschwärmt. Für Musiker ist das natürlich eine tolle Sache: Audio-Aufnahmen in wav- oder mp3-Format in einstellbarer Qualität direkt auf SD-Karte. Tolle Aufnahmequalität, kleines Format – das Ding ist kaum größer als eine Zigarettenpackung. Und ich fürchte, ich hab auch meinen Bruder schon angesteckt, letztens, als wir uns trafen. Für Bandproben oder Sessions ist dieses Gerät genau das Richtige. Und freilich als Spielzeug für die kleine Tosha.

Natürlich kann man das Ding auch einfach dazu benutzen, mal eine andere Facette der Welt aufzuzeichnen. Die Frage „Wie sieht’s bei dir eigentlich aus?“ wird in der Zeit der digitalen Fotografie deutlich häufiger beantwortet als die Frage „Wie hört sich’s bei dir an?“

Ich hab ja ein ausgesprochenes Faible für Amseln und ihre Gesänge, und das nicht nur der Schönheit wegen, sie bringen mich auch oft zum Lachen. Schon als Kind prägte sich mir das Lied ein, das die Amsel in unserem Garten sang. Es klang vom Ablauf her so ähnlich wie das hier:

      Amsel wie früher


Jede Amsel singt ein wenig anders, sie sind ziemlich kreativ, singen also nicht immer den gleichen Song. Trotzdem erkennt man sie wieder, wenn man sie oft genug gehört hat.
Will man die Gesänge allerdings aufzeichnen, wird einem recht deutlich bewusst, gegen welche Geräusch- respektive Lärmkulisse diese Federviecher täglich ankämpfen müssen.

Hier bei uns daheim ist es in erster Linie der Fluglärm, der den Amseln das Leben schwermacht. Dabei singt ‚unsere‘ Amsel aber bevorzugt zu genau den Spitzen-Startzeiten – gegen sieben Uhr früh und sieben Uhr abends. Vielleicht ist das ja auch Absicht, und sie denkt, die Säcke übersing ich noch einbeinig und mit Halsschmerzen.

      Amsel gegen Fluglärm

Die beiden nachfolgenden Sequenzen fand ich lustig, man hört mich nach der ersten ganz verhalten kichern.

      Amsel, witzig

Kaum hab ich begonnen, mich auf die Aufzeichnung von Amselgesang zu konzentrieren, werde ich morgens sogar von Amselgesang sofort hellwach! Ha! Da singt sie, und noch kein Flugzeug zu hören, also nix wie raus! Um 5:25 morgens muss es doch möglich sein, den Piepmatz auf mp3 zu bannen! Zuerst gelingt das auch, sieht man von dem Zug ab, der zu Beginn durchs Bild fährt, äh, durchs Ton. Aber dann muss die Amsel gegen die Trappel- und Knurrgeräusche bestehen, die Frau Hund macht, wenn sie wieder mal versucht, den Igel aus dem Garten zu verjagen, gegen ihr anschließendes enttäuschtes Schnauben und das Rascheln unseres Bambusvorhangs.

      Amsel frohmürgens ;)

Gegen Gebell vom Nachbarhund. (Hier mischt sich auch ein anderer Vogel ein, der seine Rufe mit einem scheußlichen Geräusch beendet, das irgendwie elektrisch klingt, weswegen ich ihn auch „Elektrovogel“ getauft hab. Wer mir sagen kann, welches Federhirn da so scheußlich gräuspelt und zischelt, gewinnt den Titel Pfannenvogelkundler des Jahres.)

      Elektrovogel

Edit: Das Federhirn heißt Hausrotschwanz (Phoenicurus ochruros). Vogelstimmen nach Namen gibts auf vogelstimmen.de. Der Titel geht an… mich selbst. Hurra!

In Wien, gleich um die Ecke vom Büro, gibts eine Amsel, die unermüdlich gegen den starken Verkehrslärm der Triesterstraße ansingt; die Aufnahmen hab ich schon bei etwas ruhigeren Phasen des Verkehrs gemacht. Sie ist auch absolut gesehen deutlich lauter als die Amseln hier am Land.

      Amsel gegen Verkehrslärm

Sich gegen ein Motorrad durchzusetzen ist allerdings so gut wie unmöglich. Ab und zu gibt diese Amsel eine Art Sirenengeheul von sich, so ähnlich, wie bei uns die Polizeisirenen klingen. Ganz am Schluss hört man hier einen Ansatz davon. Oft sirent sie auch vier-, fünfmal hintereinander, das hab ich aber leider nie erwischt. Verscheucht die Motorräder aber auch nicht.

      Amsel gegen Bike


Hier die Sirene für Ungeduldige:

      Amsel-Sirene

Es klappt so gut wie nie mit einer halbwegs störungsfreien Amsel, sogar morgens rauscht’s ein bissel. Das ist aber hauptsächlich der Wind.

      Amsel gegen beinahe Ruhe

Aber Amselgesänge mag ich. Was mich dafür unfassbar nervt, ist das elende Gefiepe des Grünfinken, der seit neuestem täglich auf der Tanne des Nachbarn sitzt und von dort sein dämliches Kichern verbreitet. Ich komm mir echt ausgelacht vor.

      Lachvogel

Noch schlimmer aber ist sein ständiges zwii-zwii-zwii-zwii. Klingt, als würde jemand versuchen, ein Auto zu starten, bei dem die Batterie zwar ok, aber der Starter im Arsch ist.

      Springt net an

Und weil wir am Land leben und die Menschen so öko sind und sich lieber Schwimmteiche bauen anstatt einen anständigen, ordentlich gechlorten Pool, werden wir hier mittlerweile von zwei Seiten mit Froschgequake beschallt. Zum Glück nicht vom direkten Nachbarn, sonst wär ich wahrscheinlich schon ausgezogen. Romantisch? Mitnichten.

      Froschorchester

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Madeira 6

El Hase war im Urlaub auch mit dabei. El Reisehase, eigentlich. El Hase, mein guter, alter, bunter Begleiter, wäre mir zu groß gewesen, um ihn mitzuschleppen, immerhin misst er stolze 37 cm von der Pfotenspitze bis zur Ohrenkante. El Reisehase hingegen, der mir bei einem Einkaufsbummel vor dem Urlaub begegnete, ist um einiges kleiner, sodass er gut in meinen Fotorucksack passt, und er bettelte darum, mitkommen zu dürfen.

Und so geschah’s.

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In Machico, vor dem Forte de Nostra Senhora do Amparo. Endlich eine Rast! Die Sonne scheint, und vom nahen Restaurant weht uns schon der erste Duft von gegrilltem Fisch entgegen.

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Das ist gut so, denn wir sind schon hungrig und freuen uns aufs Essen. Das beste Bolo do Caco des ganzen Urlaubs bekommen wir im Restaurant Velho Mercado in Machico. Knusprig, knoblauchig, kräuterig, herrlig!

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El Hase erwanderte auch mit uns den Gipfel des Pico Ruivo. Die Luft ist für Plüschhasen dort schon sehr dünn, drum wirkt er auch ein wenig unscharf.

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In Santa Cruz auf einer Fensterbank wird El Hase zum Senhor Flores 2009 gewählt.

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El Hase, der sich mit Sprachen auskennt, staunt darüber, dass der Cafe Latte in Portugal Galao heißt. Was hat die griechische Milch mit madeirensischer Kaffekultur zu tun? Aber naja, bei uns daheim heißt mancher Kaffee auch Cappuccino und nicht Schlogowasgschloda.
Schön geschichtet ist er jedenfalls, der Milchkaffee!

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Am besten gefällt’s El Hase aber im botanischen Garten in Funchal.

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Dort steht sogar sein Traumhaus! So eins hätt El Hase auch gern. Am liebsten würde er gleich einziehen.

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Auch die schiere Größe der Botanik ist nicht zu verachten.

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Am tollsten aber ist die Rutschpartie am Ende des Besuches! Und er hat den Vergnügungspark ganz für sich allein! Die anderen Besucher sind einfach zu groß. Ihre verständnislosen Blicke gehen ihm am Arsch vorbei. Hurraaaaa!

Gegen Ende der Urlaubswoche fahren wir noch schnell ans ‚Ende der Welt‘ – so schnell, wie’s eben geht auf den kurvigen Straßen. Der westliche Teil der Insel ist waldiger, rauher und weniger frequentiert als der Rest. Am Rande von Ponto do Pargo schließlich findet sich das Hotel und Restaurant Farol – wie der Name schon vermuten lässt, in der Nähe des Leuchtturms. Die Gegend dort wirkt auf uns wie schottisches Hochland, grüne, hügelige Wiesen und rundherum nur Natur, keine weiteren Häuser, keine Nachbarn, kein Garnix. Wenn El Hase mal in aller Ruhe ein Buch schreiben möchte, dann wird er sich dort hinbegeben und sich in diesem Hotel, mitten in der Stille und Weite dieser Landschaft, in Klausur begeben.

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Unterhalb des Leuchtturms befindet sich ein Parkplatz, der von einer Steinmauer begrenzt ist, und schräg dahinter ein kleines Stück Wiese, rundum begrenzt von zweihundert Meter tiefem Abgrund – und dann das Meer bis zum Horizont. Man kann sich dort sehr lebhaft vorstellen, dass die Menschen früher dachten, die Welt wäre eine Scheibe, und nach dem Horizont käme nichts mehr. Dort in Farol ist die Welt definitiv zu Ende.

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Und zum krönenden Abschluss dieser Madeira-Fotoreise gibts noch ein Bild zum Beweis, dass ich auch dortgewesen bin, aufgenommen am Strand bei der Flussmündung der Ribeira da Janela.

Ich danke für Eure Aufmerksamkeit!

Inhaltsverzeichnis Madeira

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Gespart!

Hab heute wieder mal in die Flimmerkiste geschaut. Ich bin ein bekennender Serien-Junkie. Allerdings nehme ich sehr oft auf HDD-Recorder auf, was ich sehen möchte, und überspringe dann später die Werbeblocks. Heute jedoch hab ich mal bewusst hingeschaut und drei Werbeblocks lang aufgepasst. Ich wollte herausfinden, was es mich kostet, wenn ich alles kaufe, was in einem einzigen Werbeblock angepriesen wird. Daher überschlug ich mal, wie groß die Lücke ist, die so ein Werbeblock in die Brieftasche reißt.

Zwei der Blocks kamen bei vox, einer auf ORF 1. Langfristige Verträge werden nicht bewertet, Reminder (5- bis 10-sekündige Spot-Zusammenfassungen zur besseren Einprägung) zählen den Wert des ursprünglichen Spots mal zwei. Und ich kaufe natürlich immer nur ganze Produktserien, sofern sie feilgeboten werden.

Im ersten Block kaufe ich gleich dreimal den Sieger bei Stiftung Warentest, ich nehme Unmengen Vitamin C zu mir, habe Vorrat an essentiellen Fettsäuren für mindestens 60 Tage, und ich putze antiallergen, und zwar auf höchstem Niveau. Unvergleichliche Geschmackserlebnisse und besondere Genüsse ziehe ich mir ungeniert rein, unter anderem in Form von Marmelade und Schokolade mit Nüssen und siebenundachtzig weiteren besten Zutaten. Meine Finanzen sind gecheckt, und es ist für meine Zukunft gesorgt, dafür gehe ich allerdings in mindestens drei Fällen langfristige Verträge noch unbekannter Höhe ein. So eine kleine Unterschrift, was macht das schon? Wirkstoffe konzentriere ich an entzündlichen Stellen, mein Cholesterin senkt sich um insgesamt 103% (nur das böse natürlich), und auf Vorrat liegen nun Reinigungstabs und tiefenwirkende Mundspülung für meine Dritten, die ich mir leider nicht mehr leisten können werde. Ich habe meine Haare gefärbt, geschont und dabei noch 20 Minuten gespart, mich für einen guten Zweck engagiert und die Freude an Bewegung wiederhergestellt.
Und das alles um nur unglaubliche 150 Euro!

Im zweiten Block gönne ich mir besondere Dinge zu diversen Firmenjubiläen, und bestimmt nicht zu deren Nachteil, das besagt zumindest die Meinung, die ich mir auf Aufforderung getreulich gebildet habe. Ich genieße sicheren Schutz und abwechslungsreiche Geschmacksrichtungen, muss aber zu meiner Bestürzung auch Geranien, eine Gartenliege und einen Elektromäher mitnehmen. (Dabei hasse ich die Dinger. Ein echter Mäher hat Benzin in sich drin!) Dafür darf ich allerlei Technologien und Komplexe gezielt anwenden und mannigfaltige Effekte erzielen, meine Kurven sind wieder straff, elastisch und glatt, und ich verliere gar fünf Kilogramm – und das nicht nur durch zeitweiliges Abstellen der Einkaufstasche! Ich muss Würstchen mit ekligen Namen von ebenso ekligen Promi-Werbegesichtern erwerben, knochenstarke Kindernahrung zu mir nehmen (puh, das staubt!), Milchreismischungen selber basteln und hinterher noch locker-würziges aus knusprigem Kartoffelteig vertilgen. Anschließend freue ich mich über meine fettigen Fingertapper auf dem Touchscreen – für Individualisten! – habe außerdem meinen CO²-Ausstoß endlich auf unter 120g/km gesenkt, und bestelle in meinem Schwung noch schnell zwei E-Roller um je 1.660. Bei alledem schwebt über mir mein Kranz wie-schwereloser Haare.
Diesmal sind nur zwei langfristige Verträge dabei. Insgesamt ein grandioses Shoppingerlebnis. Dafür kostet mich der ganze Spaß aber auch schon satte 38.903,77 Euro.

Am teuersten erwischt es mich aber bei ORF im dritten Block.
Hier erreiche ich langfristige Ziele mit neuem Lifestyle, lerne etwas über Befruchtung unter Bonbons, die ich anschließend verzehre (Die Bonbons natürlich, aber genau genommen isst man die Befruchtung natürlich mit. Mir graust echt vor gar nix!), ich vernichte Schokolade wie eine Süchtige und komm mir dabei auch noch vor wie in den Alpen – nehme davon aber kein Gramm zu, schließlich habe ich auch ein Medikament zur Gewichtskontrolle in meinem Warenkorb. Gegen den Zuckerflash ist aber leider keines dabei. Studien legen mir stattdessen quicklebendige Bakterien für meinen Darm nahe, ich desinfiziere Wunden am laufenden Band, gewinne kein Auto, esse dafür aber noch mehr Schokoriegel. Weiters erwerbe ich ein sensationelles Studio-Album sowie Kapital- und Zinsgarantie, muss kreischenden Kindern das Gumminaschwerk abjagen und mir zum Muttertag gratulieren lassen, und das alles, während mir unter meinen drei neuen Kleidern für je 4,99 bereits der Schweiß auszubrechen beginnt, wovon ich mit meinen knallrot geschminkten und voller Allüren steckenden Lippen abzulenken versuche. Drei Kindershirts für je 2,99 hab ich auch in der Tasche – wem soll ich die bloß…? Schließlich erlöse ich noch die Kartoffeln, zu denen diese fiesen Menschen grob gewesen sind, senke im Vorbeigehen meine Energie- und Heizkosten und setze außerdem ein bis zwei Zeichen. Vier langfristige Verträge in schwer kalkulierbarer Höhe gehe ich ein.
Den in einem der Spots versprochenen Muttertagsrabatt von 30% ziehe ich mir frech von der Gesamtsumme ab. Die beläuft sich danach aber immer noch auf stolze 40.169,50.

Zur Verteidigung des Heimatsenders ist anzuführen, dass auf ORF die Sendungen nicht durch Werbespots unterbrochen werden. Nur jeweils zwischen den Sendungen gibt es einen Block – bei vox sind es während einer Serienepisode schon zwei.

Fazit: Shoppen ist anstrengend. Man muss sehr genau aufpassen, weil alles so schnell geht. Auf ORF1 wird man besonders schnell arm, dafür nicht so oft. Und ich bin jetzt um insgesamt 79.223,27 ärmer. Und ein paar Zerquetschte.