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Fünf Minuten TV

Wir haben da wirklich die ganze Spannweite an Vorteilen genutzt.

(Klingt mehr nach Paragliding-Kurs.)


Und das sind nur die bekannten Fälle, das Dunkelfeld ist hoch.

(Klingt mehr nach einem Kleinwüchsigen vor dem Laborschrank mit dem Mikroskop. *hangel*)


Und stößt sich eigentlich außer mir niemand daran, wie selbstgefällig und vorschnell die tollen Ermittler bei ‚Criminal Intent‘ Vermutungen anstellen und ihre Urteile fällen?

Die verstorbene Ehefrau hatte einen Wecker, den man auf eine zweite Zeitzone umschalten kann! Sicher hatte sie ein Verhältnis mit jemandem aus Europa, wahrscheinlich aus England! – Dieses Flittchen!

Ist ja ekelhaft.

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A-2. C.i. despiciens: Der Verächter

Nanü, worum gehts denn hier? Bitte zum ersten Eintrag in dieser Serie!

A-2. C.i. despiciens: Der Verächter

‚Bricht der Ast, auf dem er sitzt, vergisst der Vogel, dass er fliegen kann.‘

C.i. despiciens verachtet seinen Wirt, also dich, und reibt dir das bei jeder sich bietenden Gelegenheit unter die Nase. Gnadenlos untergräbt er so nach und nach den Selbstwert ’seines‘ Menschen.

Von ihm werden Anflüge von Motivation oder Kreativität zuverlässig im Keim erstickt. Zum Erreichen seines Ziels sind ihm alle fiesen Mittel recht: Er impft dir gezielt Selbstzweifel und ein negatives Selbstbild ein. Übung und Training hält er für wertlos und überdies erniedrigend und peinlich, also entweder bist du beim ersten Versuch sofort Meister aller Klassen, oder du kannst dir den Versuch gleich schenken. Er kräht: „Du kannst das nicht, das wird nix, du brauchst gar nicht erst anzufangen!“ oder, ebenso gerne wie häufig als Folgeschweinehund nach C.i. cessans, dem Faulpelz: „Das schaffst du in dieser kurzen Zeit ohnehin nicht mehr“.

Hast du dich wider Erwarten erfolgreich über die scharfkantigen Hürden des Verächters hinweggesetzt und tatsächlich etwas geschaffen, lässt er sich spöttisch vernehmen: „Große Kunstwerke/Arbeiten sehen aber anders aus, du Verlierer! Du glaubst doch nicht im Ernst, dass das irgendjemand gut findet oder hören/sehen/kaufen will?“

Er findet auch, dass sich für dich ein richtiges, gutes Leben generell gar nicht lohnt, ebensowenig wie gute Behandlung im allgemeinen (das Eincremen nach dem Duschen findet er beispielsweise völlig unnötig, selbst wenn dir deine Haut schon in Schuppen hinterherweht) oder gutes, vollwertiges Essen (dir zwischen Tür und Angel schnell ein paar Erdnussflips reinzustopfen sollte doch wohl auch reichen).
Der Verächter ist der Inbegriff von Junkfood auf allen Ebenen des Seins.

Tatsächlich vorhandene Kompetenzen oder Verdienste würde der Verächter allerdings nichtmal bemerken, wenn sie ihm achtkantig um die Ohren flögen. Der Grund dafür ist einfach: Er hat gar keine Ohren oder Augen nach draußen! Er sitzt im sicheren Inneren und spritzt dir dort sein Gift.


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TEIL A: C.i. INHIBENS: Der große Vermeider — A-1. cessans: Der Faulpelz

Nanü, worum gehts denn hier? Bitte zum ersten Eintrag in dieser Serie!

TEIL A: C.i. INHIBENS: Der große Vermeider

‚Sich regen? Bin dagegen!‘

C.i. INHIBENS ist die berüchtigtere der beiden Klassen der Schweinehunde. Die Wirkungsweise dieser Klasse ist der Stillstand. Höchstes Ziel ist es, zu vermeiden, dass der Wirt in irgendeiner Weise sinnvoll aktiv wird. Mannigfaltig sind die von diesen Schweinhunden verhinderten Tätigkeiten, eines haben sie jedoch gemeinsam: Sie wären sehr zum geistigen, seelischen oder körperlichen Wohl des Wirtes.

Folgende Unterarten von C.i. inhibens sind bis dato benannt:

A-1. C.i. cessans, Der Faulpelz

‚Was nicht ist, kann noch warten.‘

Diese Unterart ist die mit Abstand häufigste und bekannteste in der Meute der Schweinehunde – und die erfolgreichste. Sie ist immer dann gemeint, wenn in der undifferenzierten Umgangssprache vom ‚inneren Schweinehund‘ die Rede ist. Wenn du dich nicht vorsiehst, verpfuscht der Faulpelz dir dein ganzes Leben an einem einzigen Nachmittag.

C.i. cessans hat keinen Bock, keinen Löffel, keine Motivation für irgendwas Sinnvolles, er ist der Meister der Lustlosigkeit. Seine große Leidenschaft heißt lethargisches Couchlümmeln. Aber die Aussicht, dich von ohnehin unwichtigem Tun abzuhalten, findet er nicht sonderlich reizvoll, das wäre ja auch keine sportliche Herausforderung für einen so mächtigen Schweinehund. Nein, der Faulpelz tritt auf den Plan, sobald etwas Dringendes dir schon unangenehm nahe auf die Pelle rückt.

Je näher dir die drohende Katastrophe durch das von ihm verordnete Nichtstun rückt, und je größer sie zu werden droht, umso entzückter ist er, dann läuft er zu seiner Höchstform auf. Bei jedem Impuls deines Gewissens, der dich dann noch aktiv werden ließe, flüstert er es dir ein: sein gefürchtetes „Boaaaaah! Ich KANN nicht!“.

Besonders erregend findet er es, wenn dir Sanktionen von hierarchisch höherstehenden Instanzen drohen (Lehrer, Eltern, Boss, Finanzamt), oder wenn die verhinderte Handlung für deine weiteren Lebensjahrzehnte von immenser Wichtigkeit wäre – gewesen wäre, denn seine Erfolgsquote ist in der Meute unerreicht. Am liebsten ist ihm natürlich eine Kombination aus beidem. In einem solchem Milieu blüht er auf!

Natürlich ist er auch dafür zu haben, die wertvolle, verbleibende Zeit mit zweckfreiem Treiben zu verplempern, also fernzusehen, Comics zu lesen oder die Spielkonsole anzuwerfen. Er kümmert sich darum, dass dir solche Dinge nur dann so richtig verlockend und schier unwiderstehlich erscheinen, wenn gerade Lebenswichtiges ansteht.

Aber Zeitvertreib muss nicht unbedingt sein. Er ist auch zufrieden, wenn du nur dumpf vor dich hin starrst; ob aus dem Fenster oder an die gegenüberliegende Wand – ihm ist beides recht. Er platzt schier vor Wonne, wenn er am Tag der Deadline gemütlich rumlümmelnd zusehen darf, wie das große Chaos losbricht – und gleich der nächste Schweinehund aus der Klasse der Vermeider seinen großen Auftritt hat: C.i. despiciens, der Verächter.


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Gugu?

Der Webmaster von psd-tutorials informiert mich per Mail darüber, was es Neues gibt:

Hallo Etosha,

im Juli-Commag (Grafik & Fotomagazin) erwarten Dich höchst langweilige Inhalte auf 55 Seiten:
– Top 4 der Tutorials und Downloads Juni 2008
[…]

Eine amüsante Art und Weise, zu überprüfen, ob die Leserschaft noch wach ist! :))

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Woher nehmen?

Warum gibt es eigentlich laktosefreie Milch nur noch in der fettreduzierten 1,5%-Variante? Glauben die womöglich, der Griff zum laktosefreien Produkt würde der schlanken Linie wegen stattfinden? Und die Zielgruppe ‚Laktosefrei‘ wäre deckungsgleich mit der Zielgruppe ‚Das fettfreie Produkt macht mich verblüffenderweise auch nicht schlanker, aber dafür schmeckts fader‘?

Warum gibt es eigentlich beim Dänischen Bettenlager Sitzpolsteraufbewahrungsboxen für die Terrasse, die nicht wasserdicht sind? Eventuell regnet’s in Dänemark so gut wie nie? Hm, irgendwas stimmt daran nicht. Ah! Wo’s nie regnet, braucht man auch keine Sitzpolsteraufbewahrungsbox. Naja, vielleicht doch – damit die Katze sich nicht draufsetzt. (Muu-haha!) Katzendicht wird sie ja wohl sein, die Box. Allerdings neigen Katzen sehr zu Trotzreaktionen, und dann kommt das Tier vielleicht auf die rachesüße Idee, die ihrem Zugriff respektive Zuschlaf entzogenen Polster anzupinkeln. Dann wiederum wäre eine wasserdichte Box…

Warum gibt es eigentlich Bettwäsche nicht ausschließlich im Doppelpack zu kaufen? Gerade hier wäre doch eine klare Vorgabe durch den Gesetzgeber vonnöten – zugunsten des in fester Partnerschaft lebenden Volkskörpers, der sich meuchlings in eine heimdekormäßig untragbare Situation manövriert, wenn er im Laufe der Jahre unbekümmert lauter Einzelstücke erwirbt.

Warum gibt es eigentlich Sonnenbrillen-Nasenhalter nur in der Version ‚rupft dir gnadenlos sämtliche Vorderkopfhaare aus, wenn du die Brille nach dem Hochschieben über den Kopf, nichts Böses ahnend, abnehmen willst‘? Da sollte die Sonnenbrillennasenhalterindustrie wirklich mal drüber brainstormen, workshoppen und maßnahmenkatalogisieren!
Und warum eigentlich ahnt man auch noch vor dem tausendsten Mal Haarelassen noch nichts Böses?

Warum gibt es eigentlich Milka Luflée (die Milchschokolade mit den Blubberblasen, die ich am liebsten in gefrorenem Zustand mochte, begleitet übrigens von krachkalter, laktosefreier Vollfettmilch) bei uns nicht mehr zu kaufen? Ich sehe mich eines Grundnahrungsmittels beraubt! (Anfrage bei Milka soeben erledigt. EDIT: Das Ergebnis findet sich hier.)
Aber dafür findet man bei der Netzsuche andere lustige Schokoladen!

Warum gibt es eigentlich Ménagensets für Salz/Pfeffer/Zahnstocher, oder für Salz/Pfeffer/Essig/Öl, oder aber für Milch/Zucker, nicht aber für Salz/Pfeffer/Zucker/Zahnstocher? Wie gut, dass ich handwerklich begabt bin! Und wieder ein Designerstück mehr in unserem trauten Heim!
Aber haben alle anderen Haushaltsführer (Haushaltsführer? ‚Wollt ihrrrr den totaaalen Haushalttt?‘) wirklich drei verschiedene Ménagen daheim? „Kino? Nö, sorry, keine Zeit, ich muss Ménagen hin- und hertragen!“

Warum gibt es eigentlich keine Fliegenfallen, die wirklich Fliegen fangen? Kaum eine Fliege verirrt sich je auf die ultimativ grausigen Leimstreifenfallen, außer man erschlägt sie und klebt sie eigenhändig drauf; und den nur unwesentlich ansehnlicheren Blumendekor-Leimfallen und den Fenstergiftblumenaufklebern fallen auch nie mehr als jeweils zwokommavier Fliegen zum Opfer – auch wenn man prinzipiell wesentlich mehr Zweiflügler zur Verfügung hätte. (Die einzig effiziente Fliegenfalle hier bin ich. *klatsch* Und mein Hund. *schnapp* Eigentlich sollte die Insektenbekämpfungsunternehmerschaft uns was zahlen.)

Warum gibt es eigentlich keine Ohrstöpsel an Kopfhörern, die so richtig gut in herkömmliche Ohren reinpassen? Entweder sie drücken höllisch, oder sie fallen ständig raus. Und wenn das schon so sein muss, könnten die Dinger dann der Ehrlichkeit halber nicht wenigstens Unohrstöpsel heißen?

Warum gibt es eigentlich nicht die Möglichkeit, für den Windows-Desktophintergrund einfach einen Schriftzug einzugeben? Einen in frei wählbarer Schriftgröße, dessen inhaltliche Essenz das mit dem Tau der Jahre beschlagene Erinnerungsvermögen ein bisschen aufpoliert; sowas wie ‚Aber heute: Arbeiten nicht vergessen!‘ oder ‚Mit leerem Kopf nickt sich’s leichter‘ – oder auch etwas Verspielteres wie ‚Eintrag in die Anwesenheitsliste nicht vergessen!‘. Natürlich kann ich mir dafür ein jpg oder bmp stricken, jedoch was tu ich damit auf einer 2k-Workstation?
Aber einen Bildschirmschoner, der einen Schriftzug in der Gegend rumdreht, und das natürlich in 3D – den brauchten wir ganz dringend.

Warum gibt es eigentlich keine Vasen, die wahrhaft dazu imstande sind, handelsübliche Blumensträuße in sich zu beherbergen? Der Hals ist mitunter viel zu eng, sodass die Blumen erst gar nicht durchpassen und das rettende Nass nur von Weitem bestieläugen können. Hälse, die gerade weit genug sind, gibts bei Vasen prinzipiell nicht. Die nächste Kragenweite ist dann so groß, dass das Gestaude undekorativ in alle Richtungen wegbaumelt oder, wenn es sich versehentlich in einer Richtung zusammenrottet, mit seinem ungünstigen Schwerpunkt die Vase zu Fall bringt.

Warum gibt es eigentlich keinen Atlas jener Körperstellen, die zu jucken oder zu pieksen beginnen, wenn man sich an einer ganz anderen Körperstelle kratzt? Sehr hilfreich wäre ein solcher Atlas als Kfz-Edition, zum Nachschlagen der effektivsten Reflexpunkt-Ersatzkratzung jener verwunschenen Stelle am mittleren Rücken, die einen akurrat immer dann juckt, wenn sie unter fünf Schichten unbeweglich machender Winterkleidung verborgen liegt, durch die hindurchzukratzen selbst dann nicht möglich wäre, wenn die Arme nicht auf ein Michelinmännchen-Minimum verkürzt wären.

Warum gibt es eigentlich fürs Frühstück keine Morgenmuffins zu kaufen? Ich fände das sehr spaßig. Die Verpackung würde ich mit der Beschriftungsseite zu mir gekehrt auf den Tisch stellen und mich wiederholt an ihr erfreuen. Der Konsument ist ja wirklich dankbar und sehr leicht zufriedenzustellen, man muss nur wissen, womit!

Warum gibt es eigentlich keine Pareotücher, die breit genug sind, um sich die Enden zweimal um die Hüften zu schlingen, und zwar auch wenn man nicht die Taille einer handelsüblichen Barbiepuppe hat?

Und warum gibt es eigentlich immer noch keine molligen Barbiepuppen? Oder zumindest welche mit marilynschem Bauchansatz?

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Einleitung (Fortsetzung)

Nanü, worum gehts denn hier? Bitte zum ersten Eintrag in dieser Serie!

Bekämpfung

Wir sind nach der langjährigen Konfrontation mit unseren ruppigen seelischen Mitbewohnern, den Schweinehunden, meist der Resignation näher als dem Willen zum Sieg. Hinterrücks schlich sich irgendwann das Gefühl ein, dass wir gegen sie einfach nicht gewinnen können. Das muss nicht so sein! Es geht hier schließlich um unsere nackte Freiheit!

Leidensgenossen und deine Machtergreifung

Oft kann man als Befallener das freudige Zappeln kaum unterdrücken, wenn man erkennt, dass es noch andere Leidende gibt. Mitmenschen zu haben, denen es ganz prächtig geht, ist gut – aber Leidensgenossen zu haben ist besser. Auch der Erfolg von Selbsthilfegruppen fußt auf diesem einfachen psychologischen Prinzip. Also Kopf hoch, du bist nicht der einzige Grünschnabel, der mit seiner Lebensenergie diesen besonderen Parasiten durchfüttert. Schweinehunde der einen oder anderen Art sind in beinah jedem von uns heimisch; ob wir uns die Viecher nun in der Erziehung eingetreten oder abgeschaut haben, oder ob wir später im Leben vorsätzlich infiziert oder heimtückisch befallen wurden.

Die Kenntnis dieser Tatsache kann auch Hemmungen oder Gefühle von Unzulänglichkeit im Umgang mit schwierigen Zeitgenossen abbauen. Jede Geschäftsbesprechung wird kurzweiliger, und dein Lächeln gewinnender, wenn du dabei stets ein klares Bild des schmierigen Schweinehunderudels im Inneren deines Geschäftspartners oder Kollegen vor dir hast. Auch er ist nicht ganz allein, wenn du weißt, was ich meine.

Der Austausch mit Gleichgesinnten ist also überaus hilfreich und sorgt selbst dann noch für einen gewissen Fluss in der Unterhaltung, wenn du überhaupt keine Ahnung hast, was zum Geier du mit deinem Gegenüber eigentlich reden sollst.

Aber zur Auseinandersetzung mit deinem Schweinehund brauchst du nur dich selbst. Du brauchst keinen Dritten, keinen Arzt und keinen Exorzisten. Der wichtigste Schritt zur Ausschaltung der Schweinehund-Meute ist, ihre Existenz und ihr Wirken zu erkennen – und die Verantwortung zu übernehmen.
Das klingt paradox? Verantwortlich ist doch der Schweinehund, weil er in dir wirkt? Irrtum – du bist verantwortlich, weil du ihn wirken lässt! Aber auch in den äußeren Bedingungen deines Lebens sind doch immer alle anderen schuld? Du bist stets das Opfer der Umstände? Lass es mich vorsichtig formulieren: Steig runter vom Kreuz – da braucht jemand das Holz.

Aber zur Versöhnung: Ob du nun deinen Schweinehunden todesmutig entgegentrittst oder sie einfach wirken lässt, ist eigentlich völlig nebensächlich. Wichtig ist, dass du deine Wahl triffst und dich mit den Konsequenzen daraus, wie immer sie ausfallen werden, einverstanden erklärst.

Akzeptanz, Abgrenzung, Aushungern

Du nährst also den Schweinehund (noch) mit deiner Aufmerksamkeit und der Energie, die du ihm entgegenbringst. Aber er ist kein Mensch – geliebt zu werden ist also nicht sein Ziel. Er möchte, dass du ihm glaubst! Er will die gehorsame Erfüllung seiner destruktiven Anweisungen oder wenigstens aufgescheuchte Energien. Du magst keinerlei Einfluss auf sein Wirken haben, aber du hast Einfluss auf deine Reaktion darauf.

Das ist wertvolles Wissen, wenn du dem Schweinehund entgegentreten willst. Dann nämlich lautet dein Ziel, ihn gnadenlos auszuhungern. Zorn, Verzweiflung, erbitterter Kampf, das alles wäre Kraftfutter für deinen Schweinehund. Manche Ratgeber empfehlen dir ja, angesichts des unvermittelten Auftretens innerer Kläger, die eisern über dich richten, „Einspruch, Euer Ehren“ zu rufen und deinen eigenen Verteidiger zu spielen, also aus voller Kraft für dich zu argumentieren. Das ist sicher ein unterhaltsamer Zeitvertreib für verregnete Abende, aber ebendiese Kraft, die du in die Argumentation steckst, kommt dabei zu hundert Prozent dem Schweinehund zugute. Und letztlich ist es gar keine intellektuelle Auseinandersetzung, sondern eine auf der Gefühlsebene. Du kommst also mit einem Messer zu einer Schießerei.

Ich empfehle vielmehr: Lass dich auf keine Diskussion mit ihm ein, denn das Schwein argumentiert polemisch, es war schließlich in deiner Kindheit auch dabei. („Weil ich es gesagt habe, deswegen.“)
Eines der Killerargumente, die ich bisher entwickelt habe, funktioniert allerdings erstaunlich gut: Dem Schweinehund kurz und gleichmütig zu erklären, dass er sich a) feige da drin versteckt, anstatt ein eigenes Leben zu führen, dass er 7. noch nie etwas eigenes zuwege gebracht und daher gar keine Ahnung hat von der Welt da draußen und h) infolgedessen jetzt gefälligst die Fresse hält.

Akzeptanz allerdings ist keine aufgescheuchte Energie; wenn der Schweinehund sich regt, und du ihn bemerkt hast, kannst du also gefahrlos akzeptieren, dass er da ist. („Aha, hier plappert ein Schweinehund – in Ordnung.“) Du kannst ihn sogar mit offenen Armen empfangen! Freu dich, dass du ihn ertappt hast! Danach kannst du dich klar von ihm abgrenzen. („Es ist nicht meine Überzeugung, sondern seine, die ich da vernehme. Meine eigene lautet: …“) Ein paar positive Inhalte (Affirmationen) finden sich dafür hoffentlich auch nach langer Zeit des Schweinehundbefalls noch in deinem eigenen Fundus.

Nach dieser Abgrenzung atmest du tief durch, lauschst kurz auf dich selbst – und tust dann frohgemut das, was du selbst für das Richtige hältst.
Ich weiß, das sagt sich leicht, tatsächlich ist hier die Unterscheidung und das Treffen einer Wahl oft gar nicht so einfach. Aber vergiss nicht, dass du bislang wenig Übung darin hattest, zu tun, was dir gefällt! Das Ruder selbst zu übernehmen wird mit jedem Mal leichter.

Diese friedliche Gehorsamsverweigerung wird den Schweinehund fuchtig machen – denn er büßt seine Nahrung ein. Am Ende dieser Dauerdiät wird er nur noch ein schwindsüchtiger Abglanz seiner selbst sein und sich so umgehend wie geschwind trollen, um nährstoffreichere Gefilde zu suchen.

Was von unseren eigenen Bedürfnissen, Wünschen und Überzeugungen übrig bleibt, wenn man die Schweinehunde wegrechnet, ist tatsächlich sehr wenig und einfach, sehr natürlich und wahrhaftig. Die Suche nach dem Schweinehund ist also zugleich die Suche nach dem wahren Kern deines Selbst.

Affirmationen

Nicht vergessen, gute Affirmationen sind immer in der Gegenwart und positiv formuliert! „Ich werde mich bestimmt nicht unterordnen“ ist keine. „Ich triumphiere“ aber schon.

Viele Leute haben ja was gegen Affirmationen. Sie finden sie lächerlich, während sie im gleichen Atemzug anderen die dringende Notwendigkeit attestieren, ihre verzagte Einstellung abzuschütteln. Und sie glauben, dass mit Affirmationen die tatsächlichen geistigen Inhalte nur übertüncht werden. Fürwahr ein überaus pfiffiger Gedanke, aber dann muss man sich konsequenterweise auch mal klar machen, wie viele negative Affirmationen wir uns tagtäglich so einverleiben! („Du schaffst das bestimmt wieder nicht, du bist dafür zu doof, zu hässlich und zu ungeschickt, das weißt du doch, du alter Tölpel, erinnerst du dich, vorgestern vor allen Leuten im Supermarkt? Außerdem ist das Schicksal, diese Sau, sowieso immer gegen dich, am besten legst du dich, anstatt es zu versuchen, überhaupt gleich zum Sterben hin.“)

Es ist ganz erstaunlich, was manche von uns an Aussagen über sich selbst einfach hinnehmen und oft sogar für wahr halten! Auf einen Fremden, der sowas Hundsgemeines über unseren besten Freund sagt, würden wir dagegen sofort losknüppeln – weil wir wissen, dass es nicht wahr ist.

Vielleicht übertünchen diese negativen Inhalte ja auch etwas – unsere grundsätzlich positive Einstellung womöglich? Sie sind nichts weiter als eine schlechte Angewohnheit. Wenn wir also schon die Fähigkeit haben, Gedankengut zu erlernen und uns unsere Gedanken buchstäblich auszusuchen – warum sollten wir sie dann nicht nutzen?

Für jene, die völlig vergessen haben oder sogar nie gesagt bekamen, wie wunderbar, liebenswert und einzigartig sie sind, hier ein paar Anregungen zum Vervollständigen:

♥ „Ich bin es wert, …“
♥ „Ich bin so einzigartig …“
♥ „Ich habe es verdient, …“
♥ „Das ganze Leben dreht sich nur um mich!“
♥ „Niemand kann so gut ich selbst sein wie ich!“

Das klingt ungewohnt? Ein Grund mehr, sich ein paar davon zurechtzulegen – nur für alle Fälle. Understatement und Bescheidenheit sind so von gestern.

Klassifizierung, Vielfalt, individuelle Eigenschaften

Caniporcus internus wird in zwei Klassen eingeteilt. Diesen Klassen und den ihnen untergeordneten Kategorien wollen wir uns in den nächsten Folgen nacheinander widmen:

C.i. inhibens

Der große Vermeider. Er legt vermeidendes oder zumindest verzögerndes Wirken nahe, wo auch noch die hirnrissigste prompte Handlung naheliegender, klüger und zielführender wäre.

C.i. compellans

Der große Anstifter. Er regt zu Tun, Treiben und dreisten Äußerungen an, wo Still- und Klappehalten oder sogar Totstellen weitaus angebrachter wäre.

Der früher für compellans übliche Terminus Einen tief in die Scheiße reitender Schweinehund wird heute nicht mehr gebraucht, da er auf beide Klassen so sehr zutrifft, dass sich diese Tatsache für die eindeutige Zuordnung als irritierend erwies.

Wenngleich uns beide Klassen gleichermaßen antreiben oder abhalten können, so sind sie doch schwerpunktmäßig auf einem Gebiet tätig, und daher auch in jener Klasse zu finden, in der ihr zentrales Wirkungsgebiet liegt.

Jene Fälle, in denen wir tatsächlich etwas tun, wenn Handeln gefragt ist, und die Fresse halten, wenn’s gerade richtig gut passt, sind übrigens nicht auf einen zufällig wohlwollenden Einsatz der Schweinehunde zurückzuführen, sondern auf einen Etappensieg von Instinkt und gesundem Menschenverstand.


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CAVE CANIPORCUM – Einleitung

oder

KENNE DEN FEIND UND DICH SELBST

(Aus ‚Die Kunst des Krieges‘, Sun Tsu, 6. Jh. v. Chr.)

Einleitung

Der Mensch teilt sein ganzes Leben mit Tieren. Oft tut er das aus freien Stücken, mit Haustieren, die hauptsächlich dem Aggregatszustand flauschig zuzurechnen sind. Aber auch uneingeladene Gasttierchen muss er wohl oder übel dulden. Auf diesem Gebiet fallen, trotz ihrer generellen Leichtigkeit, Insekten und Spinnentiere besonders ins Gewicht, und was sie an Gewicht nicht zu bieten haben, machen diese ungebetenen Haus- und gar Bettgenossen spielend durch ihre Vielzahl wett.
Aber gibt es auch ungebetene Seelengenossen?
Ja, allerdings, die gibt es!

Caniporcus internus

oder zu deutsch: Der innere Schweinehund – ein zwar körperloses, aber auch überraschend athletisches und robustes Vieh, das dich von seinem sicheren Platz aus, jenem in deinem Inneren nämlich, piesackt und triezt, dich gezielt ausbremst oder auch antreibt. Wir alle kennen das. Wie oft kämpfen wir mit aller Kraft gegen ihn! Wie oft unterliegen wir hoffnungslos! Wie oft allerdings treten wir gar nicht erst gegen ihn an – aus Unwissenheit!

Die grundsätzliche Überlebensstrategie des Schweinehundes ist es nämlich, sich so gut zu verstecken, dass du dir seines Wirkens in den meisten Fällen gar nicht erst bewusst wirst. Und obwohl er so offensichtlich am Werk ist und mit seinem überfütterten und vor Dreck starrenden Leib mit dir Schlitten fährt, schaust du einfach durch ihn hindurch. Denn er tut so, als wäre er ein Teil von dir! Auf diese Weise entzieht er sich deiner Erkenntnis, deinem Zugriff – und damit seiner Vertreibung aus dem Paradies.
Folglich lautet deine Prämisse: Ich bin eben so, da ist nichts zu machen.
Tatsächlich jedoch leidest du an einem Befall durch einen Parasiten der besonders fiesen Art.

Wie in jedem Fall von Parasitismus ist auch hier das Wirken des Schmarotzers schädlich für den Wirt. Der Schweinehund empfindet nichts Positives für ’seinen‘ Menschen, noch nichtmal Dankbarkeit für die arglos gewährte Kost und Logis.

Aufzucht, Fortpflanzung und Verbreitung

Je mehr Energie du einem Schweinehund zufließen lässt, indem du nach seinen Höhenvorgaben springst oder deine Zeit und Energie in Diskussionen und Kämpfen gegen ihn verpfefferst, desto wohler fühlt er sich. Diese kleinen Aufmerksamkeiten sind sein Chappi und sein Suhlschlamm, er wird fetter, kräftiger und dreckiger.

Solcherart aufgefettete Exemplare beanspruchen schon bald mehr Raum – es will ja nach Herzenslust geschweinehundelt werden! Unbewusst reagieren wir auf diese geistige Raumforderung. Stecklinge von Caniporcus internus gedeihen, wie allgemein bekannt, am besten in kindlichem und jugendlichem Substrat. So findet sich der auf dem Schweinehundemist der Eltern gewachsene Unsinn prompt und zuverlässig in den Kindern wieder. Diese Art der Vermehrung ist so gebräuchlich geworden, dass sie meist unbemerkt vor sich geht.
Aber auch gewissermaßen familienfremde Schweinehunde nisten sich in Kindern ein; und auch die Reaktion der Eltern auf solche meist unerwünschten Exemplare in ihren Kindern sorgt beim Schweinehund für Wohlbefinden, je heftiger die Reaktion, desto wohler fühlt er sich.

Rudelbildung

Was die Wenigsten wissen: Nicht ein einzelner Schweinehund ist es, der da sein totalitäres Regime führen würde, vielmehr macht sich ein ganzes Rudel in uns breit. (Das könnte der Grund dafür sein, dass gegen deine ganz speziellen Völlegefühle der hemmungslose Verzehr von probiotischen Joghurts trotz verheißungsvoller Werbung nicht allzu viel ausrichten konnte.)

Selbst zur Bekämpfung von im Nachwuchs oder Lebenspartner bereits etablierten Arten ziehen wir antagonistische Typen heran und verpflanzen diese hernach in den gewünschten Wirkungskreis. Dazu sind Erziehungsmaßnahmen wie ungefragt abgesonderte Lebensweisheiten in beharrlicher Wiederholung, ausdauerndes Gemecker, vorwurfsvolles Schweigen und natürlich das gerne von Religionen benutzte System von Schuld und Sühne probate Übertragungsmethoden. Was dabei eingeimpft wird, ist aber mehr als bloß eine Doktrin – es sind herrschsüchtige Lebewesen mit Methode und eigenem Willen.

Phantastischerweise etablieren sich manche Arten auch ganz von selbst, besonders die reaktiven Schweinehunde, die als psychische Antwort auf das allzu harte Regiment eines einzelnen gemästeten Exemplars spontan entstehen können.

Rassen

Im Schweinehunde-Rudel kommen Mischformen ebenso vor wie reinrassige Typen. Klarerweise sind reinrassige Schweinehunde durch die jahrtausendelange Inzucht eine wahre Rarität. Die an den Mischformen beteiligten Rassen bewahren jedoch ihre Charakteristika in überdurchschnittlich ausgeprägter Weise. Dieser Mechanismus ist in Fachkreisen wohlbekannt, aber bis dato nicht vollständig geklärt.

Die verschiedenen Typen und Mischformen arbeiten einander in die Hände, oder aber sie graben einander das Wasser ab. Im Idealfall heben ihre Einflüsse sich gegenseitig auf, aber als erfahrener Schweinehundwirt wirst du schon erspürt haben, dass dieser Fall so extrem selten vorkommt, dass er beinahe nur noch als Lehrbuchtheorie überlebt hat.

Obwohl also die Mischformen in der Überzahl sind wie die Fliegen in einem Schweinestall, ist die nachfolgende Klassifizierung und Beschreibung der typischen Merkmale rassebezogen aufgebaut. Wie du merken wirst, ist diese archetypische Charakterisierung absolut ausreichend, um die in deinem persönlichen Rudel vorkommenden Rassen sicher zu identifizieren.

Forschung, Entstehung des Werkes, Danksagung

Die Schweinehundeforschung (Caniporcologie) ist eine recht neue Wissenschaft, die sich hauptsächlich aus der Stammtischpsychologie entwickelt hat. Hinweise und Erfahrungsberichte von Betroffenen sind mir daher hochwillkommen und werden mit Freuden der empirischen Faktensammlung hinzugefügt und gegebenenfalls auch in jene Kapitel eingearbeitet, die noch in der Entstehung sind, während die ersten bereits veröffentlicht werden. (Interaktives Schweinehundeln)

Die Entstehung dieser Niederschrift wurde von den Mächten der Schweinernis aufs Brutalste bekämpft. Ich sorge mich zwar ein wenig über die unverhoffte Zufütterung, die ich meinen eigenen Schweinehunden in Form dieser Abhandlung zukommen lasse, bin aber zuversichtlich, dass am Ende der bewusste Geist siegen wird.

Mein Dank gilt insbesondere Herrn Manuel S., der an der Entstehung der Idee und des Grundgerüstes zu diesem Werk wesentlich beteiligt war, und meinem mir rechtmäßig zugemuteten Gemahl, der mir den Zauber der Word-Formatvorlagen geduldigst näherbrachte.


Im nächsten Teil: Die Bekämpfung.

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Hurra!

Der Tag ist da! Frohlocket! *ggg* Am schönsten ist der Morgen, wenn die Sonne noch jung ist und der Himmel unverbraucht, die Luft kühl und still.

So wie heute, als mein erster Blick beim Aufschlagen der Augen auf das offene Fenster fiel, und mein erster Gedanke war, dass ich davon sofort ein weitgewinkeltes Foto machen will. Tatsächlich hat’s aber dann doch Foto Nummer 2 online geschafft, und das zeigt nicht das Schlafzimmer- sondern das Wohnzimmerfenster.

Hurra, der Tag ist da!

Tierbesuch gibts auf unserer Terrasse ja immer wieder; vor allem die Wasserhähne, die Pfützen, Gießkannen und die Hundewasserschüssel darunter sind eine Attraktion. Hier die letzten beiden Besucher:

Froschbesuch Libelle

Wenn ich ihn nicht mit Kamera und Blitz gestört hätte, wär der Frosch vermutlich weitergeklettert bis zu den Hähnen und hätte das Wasser aufgedreht für ein nächtliches Bad. Die Libelle war zwar noch nicht tot, aber leider schon sehr entkräftet. Der Frosch hingegen war pumperlgsund.