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Platzda für das Ah

Wir Dialektsprecher haben noch mehr der Einzelvokalworte, nicht nur das von mir bereits abgehandelte Eh.

Auf eine Frage, die eine bedachte, vorsorgliche Handlungsweise anregen soll, wie etwa ‚Sollen wir noch mehr Bier für die Party holen?‘ oder auch ‚Sollten wir nicht die Fallschirme nochmal überprüfen?‘ kommt als Pauschalersatz für ‚Das wird nicht nötig sein, wir vertrauen auf unser wohlwollendes Schicksal‘ etwas zum Einsatz, das – ganz im Gegensatz zum vorliegenden Satz – simpel und unschlagbar kurz ist:

‚Ah.‘

Stets begleitet von einer wegwerfenden Handbewegung, sagt uns Ostösterreichern dieses kurze, unbetonte ‚Ah‘ alles, was wir wissen müssen. Drauf gepfiffen.

Da mit dieser Handbewegung die Mutter der Porzellankiste für gewöhnlich gleich mit weggewischt wird, ist von einer signifikanten Häufigkeit in der Riege der berühmten letzten Worte auszugehen. In dem Fall ist es aber wohl eher ein berühmter letzter Selbst-Laut. Bevor dann die Engel singen.
Das ‚Ah‘ ist also nahe verwandt mit dem von mir an anderer Stelle näher erklärten Satz ‚Des geht si locker aus‘ und kann gegebenenfalls durch Voranstellung auch mit diesem kombiniert werden. Einen gewissen babyblauen Überhang in der Wortbenutzergeschlechtsstatistik darf man als gegeben voraussetzen.

Erleuchtungen stellen in diesem Szenario begreiflicherweise eher eine Seltenheit dar. Eine Verwandtschaft mit dem erstaunten oder gar geistesblitzenden ‚Ah!‘ gibt es daher nicht – die Ähnlichkeit ist rein zufällig.

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Sinnfrei

Unlängst gab sich der verehrte Herr Winder in seinem Wörterbuch zur Gegenwart im Standard die Ehre zum Thema Inhaltsstoff-Freiheit:

Beim Greissler und im Supermarkt greift eine, mit Verlaub, trottelhafte Mode um sich, nämlich die, mit Hilfe diverser Zusammensetzungen mit dem Adjektiv „frei“ anzupreisen, was in Lebensmitteln nicht drin ist. Dass sich die an Zöliakie Leidenden über glutenfreie Produkte informiert werden wollen, leuchtet ja noch ein; dass pflanzliche Öle mit dem Vermerk „cholesterinfrei“ versehen werden, schon weniger.

Ein nur im Tierreich vorkommendes Lipid kommt per definitionem nicht in Rapssamen oder Erdnusskernen vor, sodass der Hinweis auf 100 Prozent chlolesterinfreie Erdnuss- oder Rapsöle ebenso sinnvoll sind wie auf kernlose Erdbeeren oder erdölfreie Limonade.

Die Menschen, denen man ihren eigenen Körper betreffend ein X- für ein O-Bein vormachen kann, sterben trotzdem nicht aus. Ich bin jedenfalls sicher, es gibt mehr Leute, die aufgrund des cholesterinfreien Hinweises akut kaufgefährdet sind, als solche, die sich drüber wundern. Denn kaum einer zerbricht sich den Kopf darüber, ob Cholesterin denn nun tierischer, pflanzlicher oder außerirdischer Herkunft sei.
Zugegeben, das ist bitter für jene, die über ein gewisses Grundwissen in Biologie verfügen. Aber – jede Wette – für die Werber ist diese Kleingruppe von Querulanten vernachlässigbar und wird sich daher weiterhin regelmäßig zumindest ein klein wenig verarscht fühlen.

Die amerikanische Lake Superior State University, die alljährlich eine Referenzliste von „missbrauchten, zuviel gebrauchten und komplett sinnlosen Wörtern“ herausgibt, berichtet, dass in den USA Lebensmittel inzwischen auch schon zu mehr als „97 % fat free“ beworben werden. Wenn sich das bei uns herumspricht, werden wir es auch bald mit Fastenjoghurts zu tun bekommen, die 99,9 Prozent fettfrei sind. Wetten dass?

Mir tut jetzt schon weh, dass bestimmt einige Leute glauben, sie müssten nur 0,1% des Fastenjoghurts unverzehrt im Becher zurücklassen, um sich sogar völlig fettfrei ernährt zu haben.
Der Effekt jedoch bleibt der selbe: Die einen laufen und kaufen, die anderen schütteln den Kopf und verbrennen eben auf diese Weise ein paar Kalorien.

Die Werbeindustrie sorgt gerne für Knalleffekte mit ihrer einzigartigen Zahlenmagie, weil wir uns davon so zuverlässig beeindrucken lassen:
Einundsiebzigmal mehr Ausdruckskraft für Ihre Mitesser. Zehn von neun Testern sind überzeugt.
Die anderen grübeln noch an ihrer Rechenaufgabe.

Den geschätzten Lesern wird ja vielleicht auch noch das eine oder andere Beispiel von sonderbaren Lebensmittelfreiheiten einfallen.

Auf die vermeintliche Kernfreiheit der Vergleichserdbeeren sind wir ja schon im Standardforum eingegangen, und mit meiner überaus wichtigen Anmerkung, dass Erdbeeren koffeinfrei sind, hab ich meinen Teil beigetragen.

Aber man gibt ja gerne: Werbung – 97% hirnfrei.

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Jubel!

Entzückte kleine Schreie hallen derzeit durch Etoshas Wintergarten! Und das hat einen völlig unsexuellen Hintergrund. Dank eines Posts im Farliblog bin ich soeben auf ac’tivAid gestoßen, eine OpenSource-Windows-Scriptsammlung von heise-c’t.

Warum eigentlich erfahr ich davon erst jetzt? Wieviel Lebenszeit ich mit ‚Rechtsklick -> Neu -> Ordner‘ schon verschwendet habe, will ich gar nicht wissen. Und wieviel Stimmbandmaterial für Beschwerden über Funktionen, die ich mir schon jahrelang wünsche, während Microsoft an der Optik arbeitet.

Was das Ding alles kann! Da werden Träume wahr!

  • Mit Strg+N einen neuen Ordner im Explorer anlegen.
  • Neun verschiedene Zwischenablagen.
  • UserHotkeys für alle denkbaren Funktionen wie Fenstergröße, Programmstarts, aber auch für eher undenkbare, wie ‚Farbe des Pixels unter der Maus anzeigen‘ (RGB-Farbcode wird ausgegeben).
  • Tastenkombinationen für Explorerfenster mit frei vordefinierbaren Zielverzeichnisangaben.
  • Windowsübergreifende Textbausteine!
  • Stapelumbenennung markierter Dateien!
  • Quicknotes.
  • Ein einblendbares Leselineal.

Und vieles, vieles mehr! Eine genaue Beschreibung der Funktionen gibts hier.

Download änd jauchz!

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Kleinkunst ist Baustelle

Kann/darf sich das Kulturamt aus seiner Verantwortung stehlen?
Sollen EUR 1,35 Mio. öffentliche Gelder in den Sand gesetzt werden?
Ist die Kabarettszene, speziell das Vindobona, abermals das Stiefkind der Wiener Kulturpolitik?

Nach Komplikationen bei den Umbauarbeiten des Vindobona und damit verbundenen Mehrkosten ist das Kulturamt der Stadt Wien nicht mehr willens, den Umbau bis zum Ende zu unterstützen – und das, nachdem von der Stadt bereits 1,35 Mio. in den Umbau investiert und vom Vindobona selbst 700.000 Euro dafür aufgewendet wurden. Der große Theatersaal ist bereits fertig, aber beim kleinen Theatersaal und dem Beisl haperts.

Ich habe im Vindobona schon viele unterhaltsame Stunden verbracht. Die Kleinkunstbühne im 20. Wiener Gemeindebezirk ist aus der Kabarettszene nicht wegzudenken. Seit Beginn ihres Bestehens hat sie ohne Theatersubventionen der Stadt überlebt. Und nun will man wegen eines vergleichsweise kleinen Betrages die Sanierung in den Wind schießen? Die ersten Auftritte werden bereits abgesagt, und mit jedem Tag, der ungenutzt verstreicht, steigen die Kosten.

Man fragt sich ja, was mit dem halbfertig umgebauten Saal passieren soll. Hat die Stadt denn da vielleicht schon Pläne?

Eine Online-Petition soll dem Kulturamt die Wichtigkeit der Fertigstellung vor Augen führen. Ich hab mich bereits eingetragen.
(Auf der Vindobona-Seite etwas nach unten scrollen!)

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Großbrand

In der Nacht auf Sonntag werde ich durch Feuerwehrsirenen aus dem Schlaf gerissen. Großeinsatz der Feuerwehren der Umgebung, Sirenen der vorbeidonnernden Einsatzwagen heulen, Brandgeruch liegt in der Nachtluft.

Ich bin ja eine neugierige Person, also finde ich später im Netz heraus, was los war. Ein Wirtschaftsgebäude im Nachbarort hat gebrannt. Was darf man sich aber unter dieser Beschreibung vorstellen?

In der Folge griff das Feuer auf alle brennbaren Gegenstände über, wodurch das Dach der Halle teilweise völlig zerstört, aber auch neben der Halle mehrere landwirtschaftliche Geräte, sowie sonstige Arbeitsmaterialien und Werkzeuge verbrannt sind.

Schon klar, dass dort keine Schriftsteller sitzen, aber ‚teilweise völlig zerstört‘?

Ich jedenfalls kann von teilweise auf den Bildern auf der Website der FF Himberg nichts erkennen.

Brand

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Mitfühlen

Schlimm, dass einem lieben Freund gerade widerfährt, was ich selbst so ähnlich auch erlebt habe; ich sehe, wie er vor Schmerzen kaum gehen kann. Anderen Menschen die körperliche Pein ansehen, das lernt man als Schmerzpatient – erstaunlich. Und da ist im Grunde nichts, was ich tun kann.
Schmerzen, Arztbesuche, Befunde, noch mehr Arztbesuche, gute Ratschläge von allen Seiten. Verunsicherung über die eigene gesundheitliche Zukunft, über das pro und contra von Behandlungswegen, außer Gefecht gesetzt und wehrlos sein.

Ich schick Dir ein paar Engel. Möge es schnell vorbeigehen!

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Namensgebung

Unlängst drüben beim Sabbeljan sehr gelacht. Unter dem Titel Fragen an die moderne Zeit wollte er unter anderem wissen:

Darf Familie Grube ihr kleines Neugeborenes Claire nennen?

Es kam via Kommentar die prompte eigenartige Antwort:

Klar. Familie Pfahl hat ihre Tochter ja auch Martha genannt.

Ich find da auch echt nix dabei. Familie Sternis hat den drittbeliebtesten männlichen Vornamen 2006 für ihren Sohn gewählt: Finn. Und als das Ehepaar Klaus von gegenüber ihre Tochter Senta taufen ließ, hat auch keiner gelacht.

Vorsichtiger muss man bei Doppel-Nachnamen aufgrund von Eheschließungen sein. Sowas wie Karin Tischer-Sommer ist nicht mein Geschmack. Auch Donna Wetter-Blitz ist nicht richtig schön.

Das Rumblödeln daran erinnerte mich daran, was mein Bruder und ich in grauer Vorzeit ersannen: Wir hatten so viele sinnfreie Ideen für Namen, die keiner haben will, und oft auch für den dazupassenden Beruf – als wären es Gäste auf einem aristokratischen Ball, die bei ihrem Auftritt mit ihrem vollen Namen und Titel oder ihrer Funktion ausgerufen werden, nachdem der Gong verklungen ist. Daher nannten wir die Sammlung kurzerhand ‚Gästeliste‘. Was haben wir dabei gelacht!

Vieles davon ist nur im Dialekt verständlich, hier also nur eine kleine Auswahl – es kommen zu dem rauschenden Fest:

  • Der Pharao: Tut Malad und seine Gemahlin Ascheebled
  • Der Kalif: Laref Loschn und seine Gemahlin Schéne Fassad
    begleitet von Hostess Xeng
  • Der Multimillionär Ihob Gnurr
  • Die Börsenkennerin Doris Kierinix sowie
    ihre Nachfolgerin Iris Kieranix
  • Aus Schweden: Såg Spinnstscho & Ole Mitanond
  • Das Erziehungsexpertenteam Isbrav Zam & Potz Dinedau
  • Der für seine knallharten Interviews bekannte
    Journalist Jasag Dumir
  • Der Fremdenführer Ken Minedaus
  • Später als einzige auf dem Fest übrig:
    Dora Mizam, die Putzfrau

Wenn jemand weiß, wie der Gongschläger und Namensrufer auf aristokratischen Bällen heißt, oder der Vorgang des Namen-Aufrufens – immer her damit! Mir fällt dazu nichts ein.

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Vom Zauber des Moments

Hattet ihr schonmal die Empfindung, dass das Leben ausschließlich in diesem einen Moment stattfindet? Ich weiß: So einen Satz zu lesen ist überaus profan. Natürlich findet das Leben jetzt statt, wann denn sonst? Aber habt ihr diese Wahrheit schon mal von tief innen empfunden?

In jedem einzelnen Moment habe ich die Wahl. Ich habe die Möglichkeit, mir mitten im Gedankengang ein STOP zu verordnen, wenn meine Gedanken mir nicht behagen, um sie durch welche zu ersetzen, die mir besser gefallen. Ich kann den nächsten Satz, der schon in den Startlöchern stand, einfach nicht sagen, und mir stattdessen einen ganz anderen ausdenken.
Ich verlasse die scheinbare Einbahn der Situation, indem ich den Zauber des Moments nutze: Diese ein, zwei Sekunden, in denen ich die Wahl habe, und das den ganzen Tag, die ganze Woche, mein ganzes Leben lang.

Dazu nötig ist, zugegeben, ein gutes Stück Bewusstheit über die eigenen inneren Vorgänge. Diese ist für den einen ein selbstverständlicher Begleiter, für den anderen nur schwer zu erreichen; die meisten bewegen sich irgendwo dazwischen.

Es lohnt sich aber, denn das ist viel schöner, als sich ständig als das Opfer der Umstände zu fühlen, und die damit einhergehenden Gefühle der Ohnmacht und des Ausgeliefertseins mit sich zu tragen. Diese Gefühle verschwinden nach und nach. Statt sich zu weigern, die Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen, fühlt man sich plötzlich in der Lage, die eigene Freiheit so gut wie möglich auszukosten.

Nicht, dass man jeden im Zauber des Moments gewonnenen Gedanken auch in die Tat umsetzen müsste. Wenn man beispielsweise seinen Job behalten möchte, sollte man nicht im Zauber des Moments beschließen, dem chronisch grantigen Oberchef ein Götzzitat um die Ohren zu hauen. Aber man kann zumindest die Idee auskosten und sich danach etwas besser fühlen.

Auch mehr oder weniger bewusste Schikanen an sich selbst lassen sich so reduzieren. Wie oft am Tag sagst du dir, dass du ein Idiot bist? Dass du es nicht wert bist, …. (beliebiges zu Erreichendes hier einsetzen). Dass du nicht gut genug bist?
Nie? Wirklich nicht?

Klingt, als hätte ich die Weisheit mit dem Löffel gefressen, was? Leider bin auch ich nur selten im Moment verhaftet. Ich treibe mich viel in der Vergangenheit rum, am ‚liebsten‘ in unangenehmen, peinlichen oder schuldbehafteten Situationen. Manchmal auch in der Zukunft, die in solchen Momenten meistens ebenfalls nicht allzu rosig aussieht.

Aber manchmal, da gelingt es mir, aus meinen Gewohnheiten des Denkens und Handelns kurzfristig auszusteigen, mir selbst Einhalt zu gebieten und den Zauber des Moments zu empfinden.

Das kann mitten in einem Streit sein:
Weiterstreiten, bis beide sauer sind.
Plötzlicher Richtungswechsel, weil man sich bewusst gemacht hat, was wirklich wichtig ist.

Das kann bei einem Familientreffen sein:
Den Tag einfach dahinplätschern lassen und alles für selbstverständlich nehmen.
Endlich mal wieder in Papas Arme kuscheln und ihm sagen, wie lieb man ihn hat.

Das kann in einem beliebigen Moment sein:
Gestresst sein und alles als nervig empfinden.
Sich bewusstmachen, wie gut man es im Grunde hat und wofür man dankbar sein kann.

Wenn dieses Innehalten funktioniert, führt die Achtsamkeit ausnahmslos und jedes Mal zu großer Freude, zu mehr Zufriedenheit mit mir selbst – und zu einem unvergleichlichen Gefühl des Triumphes über das taube, ahnungslose Dahinvegetieren.

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