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Mein freier Tag

Ich hab heut frei. Quasi. Mein Rechtmaessiger hat heute zwei Tauchgaenge gebucht, und Cousin Ernie ist segeln – das heisst arbeiten, er faehrt ’12 metre challenges‘ mit Touristen, also alle zwei Stunden eine kleine Segelregatta mit einer anderen 18-Mann-Crew.

Also hab ich Zeit, hier rumzuhaengen, meine Musik zu hoeren, Gitarre zu spielen, ein bisschen zu bloggen und mich von einer Miniatur-Sonnenallergie am oberen Brustkorb zu erholen, die mich gestern heimgesucht hat.

Wir sind jetzt endlich motorisiert, only took four island days to get us a car, that’s about two european days I guess. Der Vermieter hat sich also etwas Zeit gelassen, aber jetzt steht ein Honda vor der Tuer, der alle Inselerfordernisse erfuellt. Der rechte Aussenspiegel bewegt sich zwar wesentlich mehr als er sollte, das Problem war aber mit dem Einklemmen eines kleinen Holzstueckes recht schnell behoben. Sogar die Aircondition funktioniert, und der Kofferraum laesst sich ebenfalls oeffnen. ;)
Es handelt sich um ein Automatikfahrzeug, und ich versuche an jeder Kreuzung verzweifelt, die Kupplung zu finden.

Das Autofahren selbst ist relativ problemlos, es wird sehr human gefahren, man hat ja Zeit. Die Steigungen allerdings sind nicht immer ganz ohne, gestern haben wir einige Strassenhoehen passiert, vor deren Erreichen ich manchmal dachte, wir kippen gleich nach hinten um. Auch die Schlagloecher sind nicht zu verachten – es sollen schon Fahrzeuge spurlos verschwunden sein.

Gestern haben wir also ein bisschen die Insel erkundet, sind ruebergefahren auf die franzoesische Seite der Insel und haben dort ein recht schoenes Plaetzchen in der ‚Baie Orientale‘ gefunden, um im Schatten am Strand rumzuhaengen und gelben Krabben dabei zuzusehen, wie sie Sand aus ihren Hoehlen transportieren. Fotos folgen.

Witzige Insel, in einer Autostunde hat man sie umrundet, so klein ist sie, trotzdem ist sie zwischen zwei Laendern aufgeteilt, den Niederlanden und Frankreich. Wenn ich es richtig verstanden habe, ist die franzoesische Seite Teil der EU, die niederlaendische hingegen aus irgendwelchen mir schleierhaften Gruenden nicht. Wir haben also gestern quasi eine EU-Aussengrenze passiert, an der keinerlei Grenzkontrolle stattfindet.
Hier auf der niederlaendischen Seite ist Englisch die Sprache der Wahl, ‚drueben‘ Franzoesisch. Die Einheimischen Schwarzen allerdings sprechen eine unverstaendliche Version von franzenglisch oder was auch immer. Ernies Putzfrau hingegen spricht nur spanisch – seine Waschmaschine uebrigens auch.

Die offizielle Waehrung sind NAF, niederlaendisch-antillische Gulden, ‚but no one ever uses it‘. Hier auf der niederlaendischen Seite zahlt man in Dollar, drueben in Euro. Aber hier nehmen sie Dir ganz frech, wenn Du in Euro zahlen willst, einen Euro pro Dollar ab, drueben wird fairer umgerechnet, da ist ein Euro immerhin 1,20 Dollar wert.

Also alles in allem eine winzige Insel mit drei Waehrungen und jeder Menge Sprachen. Und jeder Menge Muell. Was fuer eine Schande, dass die schoensten Orte der Erde oft dermassen verdreckt sind. Am Strassenrand, vor den Haeusern, mitten in der Pampa – ueberall Getraenkedosen, Becher, Muellsaecke, Kanister in klein und gross, Alteisen, Autowracks, …
An Straenden, wo Sonnenliegen vermietet werden, wird halbwegs auf Sauberkeit geachtet, aber ueberall anders duerfte es ueblich sein, seinen Abfall (oder sein ausgedient habendes Fahrzeug) einfach fallenzulassen, wo man gerade steht.
Ich nehme meinen Muell trotzdem eisern mit, so wie immer – auch wenn es in Anbetracht der bereits vorhandenen Muellberge verlorene Liebesmueh zu sein scheint.

Ich hab meinen Cousin schon mit diversen heimischen kulinarischen Spezialitaeten beglueckt, er ist ja immerhin geborener Oesterreicher – wir hatten schon Gulasch, Palatschinken (=sehr duenne Pfannkuchen), und fuer heute abend hatte ich Cordon Bleu geplant. Hier schaffen sie es naemlich Ernie zufolge nicht, den Kaese und Schinken im Fleisch zu deponieren, wie sich das gehoert, sondern sie pappen das Zeug einfach obendrauf, was er als Wien-Kenner verstaendlicherweise ausgesprochen unbefriedigend findet.
Leider ist es mir im ersten Anlauf heute morgen nicht gelungen, entsprechendes Fleisch dafuer zu erwerben – weder in der Schweine- noch in der Rindfleischvariante, von Huehnerbrust ganz zu schweigen. Chicken wings kann man in allen Groessen und Zubereitungsvarianten kaufen, und Huehnerbeinchen ebenfalls. Von chicken breast aber keine brauchbare Spur.
Das Fleisch fuer Gulasch war erstaunlicherweise weniger Problem – das gibts hier einfach als Goulash Beef zu kaufen.

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Angenehmer Nebeneffekt

One real good thing about being in the Caribbean is watching ‚The King Of Queens‘ in its original, and eating Twinkies while watching it.

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Fahrbarer Untersatz

Diesen Eintrag moechte ich zur Gaenze dem widmen, was mein Cousin Ernie sein Auto nennt.
Nach aussen hin gibt es vor, ein weisser Subaru Justy zu sein, oder etwas in der Art. Aber der Eindruck, der sich einem bietet, wenn man naeher als zehn Meter an das Ding herankommt, ist schon etwas ganz Besonderes.

Wuerde ich die Stellen aufzaehlen, die nicht rostig sind, waere ich wahrscheinlich schneller fertig. Die A-Saeulen zeigen an ihren Innenseiten Rostloecher von der Groesse einer Zigarettenpackung. Auch an der Aussenseite der Karosserie prangen viele huebsche braungescheckte Stellen. Diese Rostbeschreibung wird dem Auto aber nicht im mindesten gerecht. Ich werde Fotos nachreichen.

‚We can go to the bigger supermarket to buy more food once you guys got your rental car… my trunk won’t open.‘: Der Kofferraum laesst sich nicht oeffnen. Die Fenster hingegen lassen sich nicht richtig schliessen, zumindest die hinteren beiden, sie stehen 10 Zentimeter offen, was bei der Hitze hier stets fuer eine pleasant breeze sorgt. Es ist auch nur eine Kurbel fuer die Fenster uebrig, diese steckt naheliegenderweise in der Fahrertuer, kann aber zur Bedienung der anderen Fenster leicht abgenommen werden. (Don’t lose it, guys, it’s the only one I got!)

Das Innere des Autos sieht aus wie nach einem kurzen aber heftigen Brand. Der Himmel fehlt voellig, an der Wagendecke sind nur noch schwarze Reste von Schaumgummi und Klebstoff zu sehen.

Aber das Auto startet, es tut sowas wie fahren, und die Hupe funktioniert – das ist hier besonders wichtig. Die Bremsen haben ihren Kraftverstaerker in der Vergangenheit irgendwo verloren. Der Motor ueberhitzt, wenn man zuviel bergauf und bergab faehrt – unguenstig ist daran nur, dass die Insel so gut wie ausschliesslich aus Bergen besteht.

An unserem ersten Morgen hier war der linke Hinterreifen platt. Mein Cousin hat da aber Schnickschnack zur Hand, der sowas im Nu loest: Stolz praesentiert er eine Spraydose. Erst denke ich, da ist einfach Pressluft drin, aber weit gefehlt: Es ist klebrig-schaumiges Spruehzeug, das eventuelle Lecks im Reifen im Nu von innen verklebt. Wir meinen, er sollte sich vielleicht mal neue Reifen zulegen, die aktuellen sind eher profillos und sehen ausgesprochen bruechig aus. Mein Cousin jedoch klaert uns auf, die Reifen waeren erst drei Monate alt. So sehen sie nicht aus, also konstatiere ich, da haetten sie ihn beschissen, und er solle reklamieren. Tja, meint er, die Firma werde gerade abgerissen.

Gestern frueh dann war zur Abwechslung der vordere linke Reifen platt, es prangt ein fingergliedgrosses Loch an der rissigen Seite des Reifens. Aber – oh Wunder des Amilandes! – auch dieses Probelm behebt das Klebespruehzeug, und zwar problemlos und schnell, nachdem wir den Reifen ein Stueck bewegt haben, sodass das Gewicht des Autos nicht mehr genau auf das Leck drueckt. Zur Sicherheit will mein Cousin beim Supermarkt vorbeifahren und noch eine Dose holen. Preis: 4 Dollar.

Mittlerweile ist mein Cousin Besitzer zweier neuer Reifen. (Oh, the other two ones are just fine!)

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Hahn mit Sprachfehler

Dem Hahn, der mich so gerne aus dem Schlaf kraeht, muesste mal einer beibringen, wie man Kikeriki richtig sagt. Er betont immer die mittlere Silbe, was mich vermuten laesst, dass es sich um einen Ausreisser von der franzoesischen Seite der Insel handeln duerfte. Doch coq au vin statt roasted rooster?

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Erste Meldung aus dem karibischen Ausland

Ein Glueck, mein Cousin hat superschnelles Internet, also kann ich ein bisschen Laut geben, wie geplant.

Die Ankunft hier war abenteuerlich, wir hatten einige Schwierigkeiten, das Haus meines Cousins zu finden – er war bei der Arbeit und kam zu spaet zum Flughafen – als er dort ankam, waren wir schon im Taxi und haben uns die Insel von beinah allen Seiten angesehen. Die Fahrt mit der eher hantigen Taxlerin verdient mindestens das Attribut ‚interesting‘.
Zum Glueck trafen wir beim Fragen nach dem Weg zufaellig auf den Nachbarn meines Cousins, und seine Nachbarin hat uns, als wir endlich das Haus gefunden hatten, sehr freundlich in Empfang genommen und uns Drinks spendiert.

Die erste Nacht war ebenfalls abenteuerlich. Nach 20 Stunden unterwegs bin ich zwar recht schwer ins Bett gefallen, hatte aber dann doch so meine Schwierigkeiten mit dem Schlafen. Ich war landkrank nach dem langen Flug (ich bin dauernd landkrank, schon nach einer Stunde im Tretboot schaukelts mich einen Tag lang innerlich nach). Also hat hier rein subjektiv betrachtet das ganze Haus kraeftig geschwankt.

Ausserdem war es hier zur Zeit meines Umfallens erst halb neun Abends (hier ist es sechs Stunden frueher), also hat mein Cousin noch seinem Lieblingshobby gefroent, dem Onlinegolfen, was diverse gewoehnungsbeduerftige Gerausche produzierte (bim-bam! ploenk! brrcchhh! boing!, dazwischen cousinintern fabriziertes Kichern, letzteres aber durchaus liebenswert).
Dann gibts hier Nachbarhunde hoch zehn, die des Naechtens offenbar sehr gerne ausgedehnte Heulkonzerte geben, und ab halb drei Morgens hat der benachbarte, singfreudige Hahn mich unablaessig an roasted rooster zum Fruehstueck denken lassen.

Mehr als eine Entschaedigung war jedoch der morgendliche Ausblick vom Dach des Hauses Richtung Meer und der Nachbarinsel St. Barth samt Sonnenaufgang. Auch die davor im Gelaende hinterbliebenen geschrotteten Autos trugen auf ihre Art zum ganz eigenen Inselcharme bei.

Heute haben wir einen ersten Blick auf das Innere der Stadt Philipsburg geworfen, waren natuerlich da auch baden – der Test des Meerwassers hat ergeben, dass es salzig und nass ist (alte Familientradition ;) – und wir haben einen ersten Ueberblick gewonnen ueber Front Street, Back Street und die unzaehligen Gaesschen dazwischen. Die Stadt wirkt klein, hat aber durchaus Verwirrungspotential.
Bald schon werden wir die Strassen unter Zuhilfenahme eines Mietautos noch ein bisschen unsicherer machen.

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Urlaub!

Mein Holder und ich haben beschlossen, es ist heuer an der Zeit, mal endlich meinen Cousin zu besuchen. Der hat mich schon so oft eingeladen, doch mal sein Wohnzimmer als Hotel zu benutzen. Nun handelt es sich aber nicht gerade um einen Trip in die Südsteiermark oder einen Kurzflug nach Deutschland – mein Cousin lebt auf Sint Maarten. West Indies, Karibik! Der Flug ist schon einige Zeit gebucht, und schon am 2. April gehts los, für drei Wochen!

Wasser bis zum Horizont, das ist ein Anblick, der mich jedesmal aufs neue fasziniert, der mich beruhigt und erfüllt, und an dem ich daher einen gewissen Grundbedarf habe – ich muss einfach alle paar Jahre mal am Meer sein. Bin eben ein richtiges Fischlein.

Bisher jedoch ist die Information über den bevorstehenden Urlaub sonderbarerweise nicht so recht vorgedrungen an mein Bewusstsein, Untergeschoss. Das alles wirkt so weit weg. Dabei sinds jetzt nichtmal mehr eineinhalb Wochen. Vielleicht liegts daran, dass ich mir noch nicht überlegt habe, was ich alles mitnehmen möchte, dass ich noch nichtmal meine Sommerkleidung ausgemottet habe, wegen der bis vor ein paar Tagen recht hartnäckigen Winterstimmung hier. Möglicherweise auch daran, dass ich meine Band nicht mitnehmen kann, und ich drei(!) Proben verpassen werde.

Heute endlich hab ich mir ein paar Bilder angesehen, zur vorsätzlichen Vorfreudensteigerung – jetzt aber kann ich noch weniger glauben, dass ich in zwei Wochen von einem solchen Strand aus übers Wasser schauen werde!

Die Notiz an mich selbst lautet daher: Rechtzeitig Kleidung sichten, gut vier Fünftel der vorbereiteten Kleidung dann doch nicht mitnehmen, stattdessen Sternkarte, Traumbuch, Gitarre und Schreibzeug.

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Heute im SSV Pampa

In einem Sportschützenverein (bumm-bumm, nicht bogenspann-pfeilflieg) mitten in der niederösterreichischen Pampa. Unterhaltung am Nebentisch: ‚Beim Kleinkaliber-Bewerb hab i hochhaus gwonnen!‘
Am Tisch gegenüber: ‚In Kopfwehpulvern ist Koffein drin. Weiß aber keiner. Ist aber in allen Kopfwehpulvern drin. Nämlich reines Koffein. Haha. Sonst wirkatns nämlich gar net. Hahaha. Da trinken die Leut keinen Kaffee, aber nehmen drei Kopfwehpulver und wundern si dann. Hahaha.‘
Und vor dem Ausgang: ‚Jo, heut habi mei rotes Kapperl auf. Wenni mei schwarzes aufhab, bini inkognito. Damit hamma scho viel Spaß ghabt. Hahahaha.‘

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