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Versteh ich dich richtig?

Ich lese mir jede Twitter-Reply, die ich schreibe, vor dem Senden jetzt eh schon sieben Mal durch. Ich versuche, sie mit den Augen des Empfängers zu lesen und stelle dann oft fest, oh, das könnte man eigentlich auch genau gegenteilig verstehen. Dann formulier ich die Reply oft mehr als einmal um. Missverständnisse entstehen trotzdem.

Das sagte ein Twitter-Freund unlängst zu mir. Am Telefon, damit ich ihn nicht missverstehe.

Dazu kam der Vortrag der Frau Brodnig beim NetzPAT, den man jetzt auch nachlesen kann – ich empfehle das, es war sehr interessant.
Am Ende ihres Vortrages fragte sie, was man tun könnte, um das Diskussionsniveau im Netz zu heben. Meine persönlicher Beitrag zu einer Antwort steht am Ende dieses Artikels.

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Bistro Poetry von damals – Neue Übersetzung

Ihr erinnert euch sicher nicht, dass ich anno 2006 ein formschönes und stabiles Mundart-Gedicht veröffentlichte, das ich für einen Wettbewerb namens „Bistro Poetry Contest“ geschrieben hatte.
Ich hatte es im Dialekt verfasst und dann auch noch nach Außerösisch übersetzt. Auch einen Podcast gab es dazu, man nötigte mich geradezu zur Klarstellung der korrekten Betonung und Aussprache des eigenwilligen Ösitanischen. Und das alles findet ihr in diesem alten Eintrag.

Nun gibt es dazu auch eine englische Übersetzung – und wieder habe ich eigens für einen Twitter-Freund geschrieben, nämlich den schrägen Vogel @dephunkt. Der wollte eine Demonstration meiner Mundart, und da fiel mir nur dieses Gedicht ein.

In den jeweils ersten beiden Zeilen wehrt das Gedicht sich hartnäckig gegen jeglichen Reim, wir haben aber ausgemacht, dass es zum Ende der Strophe hin jeweils klein beigeben muss:

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1000 Tode schreiben

Erinnert ihr euch vielleicht noch an meinen Liebesbrief an meinen Hund? Auf keinen meiner Artikel wurde ich so oft angesprochen wie auf diesen, kein anderer hat so viel Mitgefühl, positives Feedback und liebevolle Reaktionen ausgelöst.

Eine stark gekürzte Version dieses Liebesbriefes erscheint nun im E-Book „1000 Tode schreiben“, einem Projekt von Christiane Frohmann vom gleichnamigen Verlag. Das Ziel ist eine Sammlung von 1000 Texten verschiedener Autoren und Twitterer zum Thema Tod. Übrigens ist auch mir FrauFrohmann auf Twitter über den Weg gelaufen.

Ich will mir gar nicht vorstellen, wie es für sie ist, so eine Menge an Texten für dieses Buch auszuwählen und zu lektorieren. Vermutlich braucht man dafür gut trainierte Tränendrüsen, auf jeden Fall aber ein großes, großes Herz. Und natürlich sehr viel Know-How und Durchhaltevermögen. Vielen Dank für dieses wunderschöne Projekt! Und euch lieben Lesern danke ich für eure Bestärkung, ohne die ich vielleicht gar nicht auf die Idee gekommen wäre, diesen Text für das Projekt einzureichen.

Der Tod ist ohnehin ein Thema, das in unserer Gesellschaft von Spaßfaktorjägern, Zielerreichern, Verdrängern und Schönredern chronischen Platzmangel erleidet. Man muss ja schon froh sein, wenn man nach vier Wochen noch trauern darf und sich nicht „schön langsam wieder zusammenreißen muss“.

Das E-Book kommt „auf Raten“ heraus. Die Version 3.1, in der auch mein Artikel enthalten sein wird, ist in diesem Moment in der Produktionszielgeraden. Ich bin darin eine Nummer – die 394. Und freue mich!

Ich durfte schon ein Ansichtsexemplar anschauen, und die Texte sind fantastisch! Unbedingt kaufen!

Hier alle Infos von der Website Frohmannverlag bei Tumblr:

Die Idee war und ist, in Form von tausend kurzen Texten tausend höchst subjektive Ansichten auf den Tod zu versammeln, damit diese zusammenwirkend einen transpersonalen Metatext über den Tod schreiben, aus dem wiederum ein plausibles Bild dessen entsteht, wie der Tod in der heutigen Gesellschaft wahrgenommen wird, welche Realität er hat, wie und was er ist.

Die Autor- und Herausgeberanteile am Erlös gehen als Spende an das Kinderhospiz Sonnenhof in Berlin-Pankow.

Erhältlich bei minimore.de, Amazonkindle, beam, bol.de, buch.chbuch.de,buecher. de, ciando, hugendubel.de, iTunes, thalia.at, thalia.ch, thalia.de, txtr,weltbild.at, weltbild.ch und weltbild.de sowie in vielen Buchandlungen. (Fragen Sie im Zweifelfall einfach nach, Ihr Buchhändler kann auch E-Books bestellen.)

Version 3.1 wird am 13. März 2015 erscheinen, die finale Version 4 dann zur Frankfurter Buchmesse im Oktober.
Wer eine Version kauft, bekommt die neueren Versionen gratis – durch erneuten Download bzw. im Falle von Minimore per Mail.

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Vom reflexiven Schleichen

Auf meinen letzten schriftlichen Schnappschuss der konjunktivischen Sprachgepflogenheiten dieses Landes hat Kollege nömix wieder einen gar hübsch amtsdeutschen Folgeeintrag gedichtet. Er spricht dort von iterativen Appendices und allerlei anderen unanständigen Termini, wo es doch nur um den Fortsatz „-ad“ oder „-adad“ geht, der den Konjunktiv II hierzulande kennzeichnet. Die ösitanische Sprache ruft, und wir beide folgen, das ist so smooth wie Pingpong zu dritt.

Schön sind dabei auch immer die Kommentare, wo man sich im diesmaligen nömixschen Folgeeintrag im Zusammenhang mit diesem schönen Satz etwas wunderte:
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Sonst wird’s der Teufel holen!

Werbung mit Angstmache, sogar im Folder des Bestatters des Österreichischen Tierschutzvereins. Kotzen möcht ich!

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Diesen Folder bekommt man vom Tierarzt in die Hand gedrückt, nachdem der Hund eingeschläfert wurde. Da ist man als Tierbesitzer genau in der richtigen Stimmung, so einen Absatz zu lesen.

Was nun dem TSV wichtiger ist – Feingefühl zeigen oder Umsatz generieren – das ist hier augenscheinlich nicht die Frage. „Eine Horrorvorstellung für alle Tierfreunde“ – nein, wirklich!? Bewusstsein dürfte also vorhanden sein. Wäre die Wahl auf Feingefühl gefallen, hätt’s eine weniger detailreiche Schilderung wohl auch getan.

Widerlich!

Das habe ich auch auf Twitter gepostet:

[Eintrag vorübergehend nach vorne geholt]

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Nullsummenspiel, irrelevantes

Mein Freund Miro schickte mir diesen Link zum Zwiebelfisch. Dieser betrauert den Mangel an Bindestrichen, der in unserer Sprache seit geraumer Zeit durch ein Mehr an Nichts kompensiert wird. Vor kurzer Zeit betrauerte er noch, dass der Bindestrich in gewissen Fällen mehr trennt, als er verbindet. Jetzt wünscht er ihn sich zurück.

Alles völlig wahr. Alleinstehende Hauptwörter ohne jedes sprachliche Gleitmittel sind ein trauriger Anblick, an den wir uns jedoch wohl gewöhnen müssen, so wie man sich immer an das gewöhnen muss, was die Mittelpracht der Bildungsschicht für richtig hält. Ja, Sprache verändert sich täglich, das ist natürlich. Nicht immer jedoch sind die importierten Einflüsse, in diesem Fall aus Übersee, zu ihrem Wohl, das muss man auch mal sagen dürfen.

Selbst Hauptwörter, die man einst sorgfältig mit einem Binnen-s verbunden hat, damit sie beim Zusammenspiel nicht quietschen, diese gefälligen, widerstandsberuhigten Wesen, die keiner Zunge was zuleide tun, werden heute auseinandergerissen, was meinem Gefühl nach eine besondere Grausamkeit erfordert.
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Gespräche beim Bio-Kontor

Beim Bio-Kontor kommen die Leut zusammen wie früher beim Greißler. Man stöbert das Bio-Sortiment durch, trifft Bekannte, hat dabei eine Menge Spaß, und man kann hinterher auch noch in den Streichelzoo zu den Ziegen (überaus flauschig, aber höchst aufdringlich, wollen Jacken essen) und Kaninchen (Flauschigkeitsfaktor wahnsinnig, weniger aufdringlich, essen lieber Löwenzahn).

Streichelzoo Streichelzoo

Ein paar Gesprächsfetzen hab ich mir dort gut auswinden und einpacken lassen.

„Hm, aber das gefrorene Rostbratenfleisch wär eigentlich gekühlt besser dran. Ich zahl’s Ihnen gleich, aber wir wollen ja draußen noch ein bisschen im Café sitzen. Könnten Sie das inzwischen wieder einfrie… naja, auch keine gute Idee, dann kauft sich’s ja jemand anderer!“
„Aber nein, ich versteck’s Ihnen dort im Tiefkühler hinterm Spinat, da findet das keiner!“

„Jö, Schokoladeriegel, die „Euphorie“ heißen! Der Name ist sicher sehr verkaufsfördernd.“
„Klar, wenn’s Melancholie heißert, würd ich’s weniger gern kaufen.“
„Oder Depression.“
„Dissoziative Persönlichkeitsstörung.“

„Ich bin jedenfalls froh, dass ich mit Pferdeärschen nix mehr zu tun hab.“
„Und ich nehme an, du meinst damit nicht das Hinterteil der gleichnamigen Tiere.“

„Und da hinten, ein bisschen undurchsichtig, ist unser Honigsortiment. Da gibts diesen Bio-Honigproduzenten, der mischt den mit allerlei Dingen, wie Himbeeren, Vanille oder Sanddorn. Dann hat er andere Produkte, die gut in die Linie passen, wie Senf in diversen Geschmacksrichtungen, oder Pesto. Er süßt auch vieles mit Honig.“
„Und was ist daran undurchsichtig?“
„Na, in vielen seiner Produkte ist Honig drin, aber man erkennt nicht auf den ersten Blick, dass dieses da zum Beispiel…“ [hält Flasche mit großem Logo und kleiner Aufschrift hoch] „… Ketchup ist.“
„Nun, es steht drauf.“
„Aber nur im Kleingedruckten.“
„Man ist als Erwachsener ja Kummer gewöhnt.“

Bei dieser Gelegenheit: Euch allen schöne Ostern und frohe Eiertage!

Habe den Osterhasen gesichtet! Noch stärkt er sich.
Tiefqualitatives, aber liebevoll am Eierfon gemachtes und bearbeitetes Foto.

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